Neues System geplant

Erst Hausarzt, dann Facharzt: Was sich für Patienten ändern soll


06.03.2026 – 12:53 UhrLesedauer: 3 Min.

Patientin im Wartezimmer einer Arztpraxis (Symbolbild): Die Bundesregierung will Patienten künftig besser durch das Gesnudheitssystem leiten. (Quelle: imago stock&people/imago-images-bilder)

Direkt zum Facharzt gehen? Das soll in Deutschland bald nicht mehr möglich sein. Was die Bundesregierung genau plant und welche Modelle Vorbild sein könnten.

Bei Ohrenschmerzen direkt zum HNO-Spezialisten, mit dem Hautausschlag sofort zum Dermatologen: Damit soll bald Schluss sein. Geht es nach den Plänen der Bundesregierung, wird der Hausarzt künftig zum zentralen Lotsen im Gesundheitssystem. Er soll die Reise der Patienten koordinieren und sie gezielt durch den Dschungel aus Fachdisziplinen lotsen. Ein Mammutprojekt.

Laut Koalitionsvertrag soll ein verbindliches System eingeführt werden: Bei fast allen medizinischen Problemen führt der erste Weg in die Hausarztpraxis. Der Hausarzt prüft, ob er selbst helfen kann oder eine Überweisung notwendig ist. Das Ziel: Doppeluntersuchungen vermeiden und Facharzttermine für die Fälle freihalten, die sie wirklich benötigen. Kurz: Das System soll effizienter werden, die Kosten sinken.

Bislang bewegen sich die Deutschen relativ frei durch das Gesundheitssystem. Im europäischen Vergleich gehören die Deutschen zu den Spitzenreitern, was Arztbesuche betrifft. Die Folge: Ärzte klagen über eine hohe Arbeitsbelastung, die Kosten im Gesundheitssystem steigen. Und auch die Patienten selbst zeigen sich oft überfordert. Experten kritisieren seit Jahren die Komplexität des deutschen Gesundheitswesens. Laut Studien hat ein großer Teil der Deutschen Angst, nicht den richtigen Arzt für sein Problem zu finden. Die Bundesregierung will deshalb auf ein „Primärarztsystem“ setzen. Doch was bedeutet das konkret für Sie?

Trotz der Steuerung soll ein Grundpfeiler bestehen bleiben: die freie Arztwahl. Patienten können sich ihren Hausarzt weiterhin aussuchen, müssen sich aber für einen festen Zeitraum (die Bundesärztekammer empfiehlt mindestens zwölf Monate) an diese Praxis binden. Auch den Facharzt, zu dem sie überwiesen werden, wählen sie weiterhin selbst.

Das geplante Modell sieht wichtige Ausnahmen vor. Ohne vorherige Überweisung können Sie wahrscheinlich weiterhin folgende Praxen aufsuchen:

Für chronisch Kranke sind Sonderlösungen geplant, etwa Jahresüberweisungen oder die Anerkennung des jeweiligen Facharztes als primärer Ansprechpartner. Das Modell soll nicht nur Kosten sparen, sondern die Versorgung verbessern:

Kritik kommt vonseiten des Verbraucherschutzes. Ramona Pop, Vorständin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, warnt: „Das System wird den schwierigen Zugang zu Fachärzten nicht lösen, sondern neue Probleme schaffen.“ Die Sorge: Ohnehin überlastete Hausarztpraxen könnten zum Nadelöhr werden. Schon heute gebe es zu wenige Hausärzte, bemerken Kritiker. Auch Fachärzte sind skeptisch. Der Verband der HNO-Ärzte warnt etwa, dass schwerwiegende Erkrankungen durch den „Umweg“ über den Hausarzt zu spät erkannt werden könnten. Zudem werden bei vielen Fachärzten Sorgen laut, Patienten zu verlieren, wenn der Hausarzt als „Filter“ agiert.

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