Prognose für 2026
Energieschock: EZB dürfte Zinsen anheben
26.04.2026 – 10:29 UhrLesedauer: 2 Min.
Durch den Iran-Krieg wächst die Angst vor einer neuen Inflationswelle. Die Zentralbank dürfte Ökonomen zufolge deshalb bald eingreifen.
Ob die Europäische Zentralbank (EZB) schon am kommenden Donnerstag die Zinsen anheben wird, kann keiner mit Sicherheit sagen. Angesichts der steigenden Energiepreise wächst allerdings die Sorge vor einer erneuten Inflationswelle, sodass ein Eingreifen der Währungshüter immer wahrscheinlicher wird.
So prognostizieren führende Analysten, die vom Fachmedium „Bloomberg“ befragt wurden, nun eine Zinserhöhung im Juni 2026. Fast alle befragten Ökonomen erwarten demnach eine Erhöhung auf 2,25 Prozent. Bei der nächsten Sitzung am 30. April gehen sie noch nicht von einer Änderung aus. So dürften die Zinsen zunächst bei 2,0 Prozent stabil bleiben. Erst beim Juni-Treffen der Notenbanker würden die Folgen des Energiepreisschocks deutlich werden, glauben die Ökonomen.
Anders sieht das EZB-Ratsmitglied Martin Kocher. Aus seiner Sicht ist überhaupt nicht klar, ob die Währungshüter nicht doch bereits im April eingreifen müssen und eine Zinserhöhung verkünden. Es sei noch zu früh, um zu sagen, welche Entscheidung die Europäische Zentralbank bei ihrer nächsten Zinssitzung treffe, sagte der österreichische Notenbankchef am Mittwoch zur Nachrichtenagentur Reuters. Man werde die Daten bis zur Sitzung kommende Woche und möglicherweise auch noch während des Treffens genau beobachten und darüber diskutieren, sagte er auf einer Pressekonferenz.
Der Fokus liege dabei hauptsächlich auf den Folgeeffekten der Inflation und einer Analyse der Inflationsgefahr, die über den Energiesektor hinausgehen könnte.
In der EZB hatten sich zuletzt die Stimmen gemehrt, die ein vorsichtiges Vorgehen als Reaktion auf den Ölpreisschock fordern. EZB-Vizechef Luis de Guindos hatte gesagt, es gelte, bei der Zinspolitik einen kühlen Kopf zu bewahren. Man müsse die Daten in einem Umfeld „enormer Unsicherheit“ analysieren. Ähnlich hatte sich auch der finnische Notenbankchef Olli Rehn jüngst geäußert. Die EZB-Chefin Christine Lagarde betont die grundsätzliche Handlungsbereitschaft der Zentralbank.
Eine Zinserhöhung wäre für die europäische Wirtschaft ein erneuter Rückschlag und könnte das zarte Wachstum des vergangenen Jahres wieder zunichtemachen. Für Sparer wäre eine Zinserhöhung hingegen eine gute Nachricht: Dann dürfte es auch bei Tages- und Festgeld wieder nach oben gehen. In Erwartung einer baldigen Zinserhöhung haben viele Banken auch schon reagiert. Beim Festgeld gibt es zum Beispiel wieder Angebote mit bis zu drei Prozent Zinsen, beim Tagesgeld bieten einige Banken sogar schon Aktionszinsen jenseits der 3,5 Prozent.










