Hat Deutschland genug Ölreserven?

„Jede fossile Abhängigkeit ist ein Sicherheitsrisiko“


28.04.2026 – 19:43 UhrLesedauer: 2 Min.

Ab dem 1. Mai soll die PCK Raffinerie in Schwedt kein Öl mehr aus Kasachstan bekommen. (Quelle: IMAGO/Jochen Eckel/imago)

Ein akuter Engpass der Versorgung mit Öl und Kerosin droht Deutschland nicht. Die Ölreserven sind noch voll – aber keine Dauerlösung für die Verwundbarkeit fossiler Lieferketten.

Die deutschen Ölreserven sind laut dem Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und dem Erdölbevorratungsverband (EBV) noch weitestgehend gefüllt. Genaue Angaben zur Frage, wie viele der freigegebenen Ölreserven bereits abgenommen wurden, wollte eine Sprecherin auf t-online-Anfrage nicht machen. Trotz geopolitischer Spannungen und Preissteigerungen sei die physische Energieversorgung in Deutschland aktuell gesichert, so die Ministeriumssprecherin.

Zuletzt sorgte Russlands Ankündigung, die kasachischen Öllieferungen über die Druschba-Pipeline ab dem 1. Mai einzustellen, für Aufruhr. In der Raffinerie wird Rohöl zu Kerosin verarbeitet, das als Kraftstoff im Flugverkehr dient.

Energieökonomin Claudia Kemfert vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung sieht trotz des Lieferstopps keine Gefahr eines bundesweiten Versorgungsengpasses: „Die Versorgung mit Öl und Kerosin in Deutschland ist aktuell grundsätzlich gesichert, aber die Lage ist angespannt und störanfälliger geworden“. Das Problem sei kein sofortiger flächendeckender Mangel, sondern ein erhöhtes Risiko regionaler Engpässe, logistischer Verwerfungen und steigender Preise.

Ölreserven könnten Kemfert zufolge helfen, solche Krisen zu überbrücken, seien aber keine Dauerlösung. Sie weist allerdings auf die strukturelle Verwundbarkeit fossiler Lieferketten hin: „Jede fossile Abhängigkeit ist ein Sicherheitsrisiko. Die Energiewende ist daher nicht nur Klimaschutz, sondern auch Krisenvorsorge.“

Im März hatte Deutschland auf Initiative der Internationalen Energie-Agentur (IEA) 2,64 Millionen Tonnen seiner Ölreserven freigegeben, was 19,51 Millionen Barrel entspricht. Die IEA-Mitglieder haben sich darauf verpflichtet, Öl-Reserven zu halten, die mindestens 90 Tagen ihrer Netto-Importe entsprechen.

Laut einer Ministeriumssprecherin habe Deutschland sich entschieden, die Mengen in mehreren Chargen zunächst bis Ende April anzubieten. Der mit den Reserven betraute EBV hat insgesamt 400.000 Tonnen Rohöl, 150.000 Tonnen Dieselkraftstoff und 50.000 Tonnen Flugturbinenkraftstoff (Jet A1) für seine Mitglieder freigegeben.

Die nicht abgenommenen Mengen von Rohöl und Jet A1 habe man nach Absprache mit den entsprechenden Gremien ausgeschrieben, schrieb der EBV auf Anfrage. Die Fragen, wie hoch die abgenommenen Mengen sind, und ob alle 150.000 Tonnen Diesel abgenommen wurden, ließ der Verband unbeantwortet. Gemäß dem BMWE hat der EBV aktuell rund 1,1 Millionen Tonnen Kerosin gelagert.

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