Meinen Sie damit Bluttests?

Nicht nur. Bluttests sind ein wichtiger Baustein, aber Longevity-Diagnostik geht deutlich weiter. Dazu gehören auch Mikrobiom-Analysen, Urin- und Speicheltests, genetische und epigenetische Untersuchungen, Messungen der Körperzusammensetzung, Gefäß- und Knochendiagnostik, Schlaf- und Stoffwechselanalysen sowie funktionelle Tests zu Kraft, Ausdauer, Regeneration und Stresstoleranz. Wichtig ist immer, aus diesen Daten nicht nur Zahlen zu sammeln, sondern daraus sinnvolle, individuell passende Maßnahmen abzuleiten.

Wie können Verbraucher seriöse Empfehlungen von leeren Versprechen unterscheiden?

Gerade weil der Longevity-Markt boomt, sind wissenschaftliche Leitlinien und eine seriöse medizinische Begleitung besonders wichtig. Leider werden Menschen zu oft Opfer von zwanghafter Selbstoptimierung oder von falschen Versprechen in den sozialen Medien. Optimal wäre eine kluge Balance: Gelassenheit, Lebensfreude und dort, wo es sinnvoll ist, eine angemessene medizinische Ergänzung. Wer seinen Körper kennt, kann besser für ihn sorgen – und bleibt länger vital.

Viele Longevity-Trends sind sehr kostspielig. Lohnt es sich Ihrer Meinung nach, viel Geld dafür auszugeben?

In die eigene Gesundheit und Prävention zu investieren, lohnt sich immer – auch auf gesellschaftlicher Ebene. Das Gute ist: Die wichtigsten Maßnahmen sind nicht teuer. Bewegung, Krafttraining, regionale und saisonale Ernährung, ausreichend Schlaf, gute Beziehungen, Freundschaften und Familie sind die eigentliche Basis gesunder Langlebigkeit. Verzicht auf Rauchen und wenn überhaupt nur wenig Alkohol.

Worauf kommt es bei der Ernährung an?

Bei der Ernährung gibt es einfache, sehr wirksame Prinzipien: möglichst wenig hoch verarbeitete Industriekost, dafür viele Ballaststoffe – idealerweise etwa 30 Gramm pro Tag. Und eine große Pflanzenvielfalt – ein guter Merksatz ist: 30 verschiedene pflanzliche Lebensmittel pro Woche. Das unterstützt nicht nur den Stoffwechsel, sondern auch die Darmflora. Selbst kochen, ein alter, aber wirksamer Tipp.

Manche Longevity-Anhänger nehmen täglich sehr viele Nahrungsergänzungsmittel ein. Ist das zu empfehlen?

Nahrungsergänzungsmittel können ratsam sein, aber nicht nach dem Gießkannenprinzip. Sie lohnen sich vor allem dann, wenn ein echter Mangel, ein erhöhter Bedarf oder ein klares medizinisches Ziel besteht. Einfach blind Dutzende Präparate einzunehmen, ist keine gute Medizin. Besser ist es, genau hinzuschauen: Werte messen, den individuellen Bedarf erkennen und dann gezielt auffüllen – zunächst über eine angepasste Ernährung und, wenn nötig, ergänzend mit passenden Nahrungsergänzungsmitteln.

Welche Nährstoffe gilt es im Blick zu behalten?

Vitamin D und Omega-3 sind für viele Menschen wichtige Helfer, ebenso Magnesium, Selen oder Jod – je nach Ernährung, Lebensphase, Laborwerten und individueller Situation. Bei Frauen sollte man außerdem einen Eisenmangel im Blick behalten, und die Schilddrüse gehört aus meiner Sicht ebenfalls regelmäßig mitgedacht. Auch Vitamin B12 kann wichtig sein, besonders bei vegetarischer oder veganer Ernährung, höherem Alter oder Aufnahmestörungen.

Loading…

Loading…

Loading…

Share.
Exit mobile version