Alarmierend oft übersehen

Mehr als jeder Dritte stirbt an dieser Erkrankung


11.09.2026 – 14:35 UhrLesedauer: 3 Min.

Operation am Infektionsherd (Symbolbild): Eine Sepsis ist immer ein medizinischer Notfall. (Quelle: shapecharge/getty-images-bilder)

Sepsis ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und dennoch weitgehend unbekannt. Experten fordern mehr Aufklärung, denn Früherkennung kann Leben retten.

Jährlich erkranken in Deutschland mindestens 230.000 Menschen an einer Sepsis, umgangssprachlich auch als „Blutvergiftung“ bekannt. Mindestens 85.000 von ihnen sterben daran – das bedeutet, über ein Drittel der Betroffenen in Deutschland stirbt an dieser Erkrankung. Darauf weist das Aktionsbündnis Patientensicherheit e. V. hin.

Damit ist Sepsis die dritthäufigste Todesursache im Land, häufiger als Todesfälle durch Herzinfarkt. Dabei wäre ein großer Teil der Erkrankungen und Todesfälle infolge einer Sepsis laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) vermeidbar.

Stefan Schröder, Chefarzt am Artemed Krankenhaus Düren und Vorstandsmitglied des Aktionsbündnisses Patientensicherheit e. V., bezeichnet die Sepsis als einen der unbekanntesten medizinischen Notfälle. Er fügt an: „Solange die meisten Menschen nicht wissen, woran sie eine Sepsis erkennen, werden wir weiter vermeidbare Todesfälle sehen.“ Das Aktionsbündnis weist auf vier einfache Schritte hin, wie man Sepsis-Warnzeichen feststellen kann.

Wie entsteht eine Sepsis?

Sepsis ist die schwerste Verlaufsform einer Infektion. Dabei gerät die körpereigene Abwehrreaktion außer Kontrolle und beginnt, die eigenen Organe zu schädigen. Unbehandelt endet eine Sepsis immer tödlich.

Eine Sepsis kann durch eine Vielzahl von Infektionen ausgelöst werden – von einer Lungenentzündung über eine Hirnhautentzündung bis hin zu einem vermeintlich harmlosen Harnwegsinfekt. Auch kleine Verletzungen wie ein Kratzer oder eine Wunde können genügen, um die Erkrankung in Gang zu setzen. Krankheitserreger wie Bakterien, Viren oder Pilze gelangen vom eigentlichen Infektionsort in den Blutkreislauf und lösen eine überschießende Immunreaktion aus. In der Folge kann der Blutdruck stark abfallen, der Kreislauf bricht zusammen, und lebenswichtige Organe wie Niere, Lunge oder Leber können versagen.

Die häufigsten Infektionsquellen für eine Sepsis sind die Lunge (40 Prozent), die Harnwege (20 Prozent), der Bauchraum (12 Prozent) sowie Wunden und Weichteile (9 Prozent). Menschen mit bestimmten chronischen Erkrankungen, geschwächtem Immunsystem oder ohne Milz gehören zur Risikogruppe für eine Sepsis, ebenso wie Schwangere, Kinder und Drogenabhängige.

Gut zu wissen

Nur an Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems sowie an Krebs sterben die Menschen in Deutschland häufiger als an einer Blutvergiftung.

Sepsis: Symptome früh erkennen

Die Symptome einer Sepsis sind oft unspezifisch und werden leicht übersehen. Laut dem Aktionsbündnis helfen vier Fragen dabei, diese Sepsis-Warnzeichen zu erkennen:

  • Fällt Ihnen das Denken schwer? Macht auf Warnzeichen wie Verwirrtheit, Orientierungslosigkeit und extreme Schwäche aufmerksam.
  • Können Sie nur schwer atmen? Macht auf Warnzeichen wie schnelle Atmung, Atemnot oder Kurzatmigkeit aufmerksam.
  • Rast Ihr Puls? Weist auf Warnzeichen wie Herzrasen oder niedrigen Blutdruck hin.
  • Fühlen Sie sich sehr krank? Zeigt Warnzeichen wie starke Schmerzen oder ein nie erlebtes Krankheitsgefühl oder auch kalte, feuchte oder fleckige Haut.
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