Vorschlag von Ökonomen
Abschaffung des Acht-Stunden-Tags nur für Büroangestellte
Aktualisiert am 29.05.2026 – 11:07 UhrLesedauer: 2 Min.
Wochenarbeitszeit statt Acht-Stunden-Tag: Das steht im schwarz-roten Koalitionsvertrag. Wegen des Vorhabens gibt es Streit. Ökonomen schlagen daher einen Mittelweg vor.
Die Koalition aus CDU, CSU und SPD möchte den Acht-Stunden-Tag abschaffen und an seiner Stelle eine Wochenhöchstarbeitszeit einführen. Das verursacht Streit. Vor allem die Gewerkschaften lehnen die Reform ab. „Zu lange Arbeitstage führen nachweislich zu Krankheiten, die am Ende des Tages nicht nur Beschäftigten schaden, sondern auch der Wirtschaft und dem Gesundheitssystem“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Anja Piel den Zeitungen der Funke-Mediengruppe.
„Jede Lockerung der Regeln würde einseitig die Arbeitnehmer belasten“, erklärte Piel weiter. „Änderungen am Arbeitszeitgesetz lehnen wir ab: Das aktuelle Gesetz sichert die Gesundheit der Beschäftigten und verhindert, dass Menschen wie Maschinen behandelt werden.“
Auch die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnte vor einer Aufweichung des Acht-Stunden-Tags. Nach Ansicht ihres Chefs Guido Zeitler droht dadurch ein „Rückschritt in Zeiten, die wir nicht zurückhaben möchten“. Er verwies auf arbeitsmedizinische Studien, die gezeigt hätten, dass zu lange Arbeitszeiten krank machten.
Ökonomen schlagen mehr Arbeitszeit nur im Büro vor
In der Debatte hat das arbeitgebernahe Institut der deutschen Wirtschaft (IW) daher einen Kompromissvorschlag erarbeitet, der auf diese Sorgen eingeht. „Wenn man zu große Sorgen um den Arbeitsschutz hat, könnte man in einem ersten Schritt die gesetzliche Anpassung auf Beschäftigte konzentrieren, wo keine Gesundheitsrisiken drohen: die Bürobeschäftigten“, sagte der IW-Arbeitsmarktexperte Oliver Stettes den Zeitungen der Funke Mediengruppe.
Stettes warb dafür, die Regelung zur täglichen Arbeitszeit zu reformieren. „Eine Flexibilisierung der täglichen Höchstarbeitszeit kann Beschäftigten und Unternehmen helfen, private Wünsche und Anforderungen mit betrieblichen Notwendigkeiten besser auszubalancieren.“
Der Acht-Stunden-Arbeitstag gilt in Deutschland seit 1918. Die Koalition aus Union und SPD will nach den bisherigen Plänen stattdessen einen wöchentlichen Rahmen für die Arbeitszeit einführen, doch es gibt Streit über das Vorhaben. Arbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) soll demnächst einen Gesetzesvorschlag vorlegen, der mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten ermöglichen soll.










