Wie stark sind diese Vibrationen?

Das ist praktisch wie ein Mini-Erdbeben. Diese Wassermassen haben eine solche Kraft, dass man die Erschütterungen deutlich spürt. Selbst 100 oder 200 Meter über dem Fluss konnte man beim vergangenen Ereignis die Vibration sehr stark wahrnehmen. Wenn ein Glas Wasser auf dem Tisch steht, kann es durch diese Vibrationen regelrecht in Richtung Tischkante wandern.

Die Menschen dort wissen das. Sobald sie diese Geräusche oder Erschütterungen wahrnehmen, bewegen sie sich so schnell wie möglich vom Fluss weg. Auch Tiere reagieren darauf und rennen nach oben.

Es werden viele Bergtouristen vermisst. Sie werden nicht auf einen Gletscherseeausbruch vorbereitet sein.

Wer auf dem Berg unterwegs ist, befindet sich bei einem solchen Ereignis eigentlich am sichersten Ort. Problematisch wird es, wenn jemand mit einem Bus oder einem anderen Fahrzeug auf einer Straße direkt am Fluss unterwegs ist. Für viele Touristen sehe ich deshalb weniger die unmittelbare Gefahr durch die Flut als vielmehr das Problem, dass sie anschließend nicht mehr aus dem Gebiet herauskommen. Straßen und Brücken können zerstört sein.

Sie sagen also: Wer oben am Berg war, hat gute Chancen, unversehrt geblieben zu sein?

Ja. Ich bin mir sicher, dass die Menschen auf dem Berg das Ereignis gehört und gespürt haben. Das ist nicht zu überhören. Aber dort besteht keine unmittelbare Gefahr. Der Berg ist in diesem Fall sicher.

Lassen sich mögliche Gletscherseeausbrüche vorzeitig erkennen?

Grundsätzlich ja. Ein solcher See wächst normalerweise nicht innerhalb weniger Stunden, sondern über Wochen oder Monate. Satellitendaten sind dafür sehr hilfreich. Man kann damit das Wachstum solcher Seen beobachten. Es gibt Beispiele, bei denen gefährliche Seen identifiziert wurden und anschließend Kanäle angelegt wurden, um das Wasser kontrolliert abzulassen.

Eine Kombination aus Satellitenbildern zeigt die Täler nahe der Grenze zwischen Nepal und China am 25. August 2026 vor der verheerenden Sturzflut (oben) und am 26. August 2026 nach der Katastrophe (unten). (Quelle: 2026 PLANET LABS PBC/reuters)

Im aktuellen Fall ist dies offenbar nicht passiert.

Die Einzugsgebiete sind riesig. Man braucht Menschen mit entsprechender Expertise, die sich regelmäßig Satellitendaten anschauen und einschätzen können: Ist eine Entwicklung gefährlich? Muss man eingreifen? Das kostet Arbeit, Expertise und Geld. Da beginnen die Probleme. Hinzu kommt, dass manche gefährdeten Gebiete in Tibet beziehungsweise China liegen und schwer zugänglich sind. In Nepal gibt es Monitoring-Programme, die sich aber vor allem auf das eigene Staatsgebiet konzentrieren. Solche grenzüberschreitenden Ereignisse sind deshalb besonders kompliziert zu beobachten.

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