„Maischberger“
Ex-VW-Chef: Die Goldenen Jahre sind vorbei
Aktualisiert am 18.03.2026 – 08:28 UhrLesedauer: 4 Min.
Ex-VW-Chef Herbert Diess stellte sich bei „Maischberger“ gegen die Krisenerzählung. Claus Ruhe Madsen indes wünscht sich die Maxime: „Make Europe Great Again“.
Hohe Spritpreise, schwächelnde Industrie und wachsende geopolitische Risiken: Bei „Maischberger“ ging es um die Frage, wie Deutschland wirtschaftlich und sicherheitspolitisch durch die Krise kommt. Im Zentrum standen Ex-VW-Chef Herbert Diess und Schleswig-Holsteins Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen – später rückte Sicherheitsexpertin Claudia Major den Iran-Krieg in den Fokus.
Zu Beginn drehte sich die Diskussion um steigende Benzinpreise und die Rolle des Staates. Literaturkritiker Denis Scheck wies die Erwartung zurück, die Politik könne hier umfassend eingreifen: „Wir müssen uns ein bisschen von dem Kinderglauben freimachen, dass die Bundesregierung für alles verantwortlich ist.“ Journalistin Amelie Weber stellte dagegen strukturelle Probleme heraus. Die hohen Preise seien auch Ausdruck größerer Fragen. Kurzfristige Maßnahmen reichten nicht aus, entscheidend seien langfristige Lösungen wie der Ausbau erneuerbarer Energien.
Michael Bröcker hielt staatliches Eingreifen dennoch für notwendig. Hohe Preise seien „ein exogener Schock für die deutsche Wirtschaft“. Der Markt funktioniere nicht vollständig, daher müsse die Politik reagieren.
In der Energiepolitik zeigte sich unter den Diskutanten ein ähnliches Bild. Während Scheck eine Rückkehr zur Atomkraft ablehnte („Der Atomausstieg ist vollzogen. Gott sei Dank.“), plädierte Bröcker dafür, neue Technologien zumindest offenzuhalten. Weber verwies auf lange Bauzeiten und Kosten. Atomkraft sei „keine kurzfristige Lösung“, so die Journalistin: „Und langfristig gibt es bessere Lösungen, effizientere, günstigere und vor allem sicherere Lösungen. Das sind die Erneuerbaren“.
Im Hauptteil rückte die Lage der deutschen Industrie in den Mittelpunkt – vor allem die Autoindustrie. Herbert Diess widersprach dabei der verbreiteten Niedergangserzählung: „Unsere Automobilindustrie wird abgeschrieben, aber das ist nicht so.“ Die vergangenen Jahrzehnte ordnete er als Ausnahme ein: „Wir hatten 20 goldene Jahre in der Automobilindustrie.“ Getrieben worden sei das Wachstum vor allem durch China. Diese Phase sei beendet: „Kommen die wieder? Nein.“
Für Diess bedeutet die aktuelle Entwicklung keine Ausnahmekrise, sondern eine Rückkehr zur Normalität: „Jetzt sind wir zurück bei den Jahren vor 2000“, einem Umfeld mit hartem Wettbewerb und deutlich geringeren Renditen. Entsprechend relativierte er auch die aktuelle Lage von Volkswagen. Trotz Gewinneinbruch stehe der Konzern mit rund 30 Prozent Marktanteil in Europa stabil da. Probleme wie Stellenabbau bezeichnete er als strukturell – ein „chronisches“ Thema der Branche.
Claus Ruhe Madsen setzte den Fokus weniger auf globale Marktveränderungen als auf hausgemachte Probleme. Deutschland sei „ein Stück weit Weltmeister im Bedenken anmelden“ und bremse sich selbst aus. Entscheidungen würden zu oft verzögert, statt konsequent umgesetzt. Kritisch sieht Madsen vor allem regulatorische Hürden. Innovationen entstünden zwar in Deutschland, könnten hier aber häufig nicht eingesetzt werden. „Wenn wir Technologien nicht zulassen, dann müssen die Unternehmen das woanders testen.“ Das habe direkte Folgen für Wertschöpfung und Investitionen.
