„Terrorismus aus Kinderzimmern heraus“
Ex-Verfassungsschützer fordert Beobachtung von Kindern
Aktualisiert am 26.02.2026Lesedauer: 2 Min.
Der ehemalige Chef des brandenburgischen Verfassungsschutzes sieht Sicherheitslücken im Umgang mit unter 14-Jährigen. Jetzt fordert er neue Befugnisse.
Angesichts des anstehenden Prozesses gegen acht Minderjährige und junge Erwachsene fordert Jörg Müller, ehemals Leiter des Brandenburger Verfassungsschutzes, der Geheimdienst müsse auch Kinder überwachen können.
Müller sagte im Interview mit „Stern“ und RTL: „Die Sicherheitsbehörden brauchen die Fähigkeit, auch Akteure zu beobachten, die noch keine 14 Jahre alt sind, wenn sie schwerste Straftaten begehen oder Terrorismus planen.“ Dazu gehöre auch, dass die gesetzlichen Befugnisse für die Behörde geändert werden, so Müller.
Die acht Jugendlichen stehen im Verdacht, die rechtsextreme terroristische Vereinigung „Letzte Verteidigungswelle“ unterstützt oder ihr angehört zu haben. Ex-Verfassungsschutzchef Müller erklärte, bei sehr jungen Extremisten habe der Verfassungsschutz Schwierigkeiten, Erkenntnisse zu gewinnen. „Die Dimension war überraschend“, so Müller. „Jugendliche, die quasi aus ihren Kinderzimmern heraus Terrorismus planen.“ Das sei neu und habe auch ihn als erfahrenen Verfassungsschützer schockiert.
Daten von unter 14-Jährigen dürfe man gar nicht verarbeiten oder speichern, erklärte Müller weiter. „Wenn Zwölfjährige in einer Chatgruppe über den Rassenkrieg diskutieren, sind Verfassungsschutz und Polizei nicht dabei.“ Dabei sei das die Vorstufe zur Tat. Im Falle der angeklagten Jugendlichen sei es in den Chatgruppen auch darum gegangen, „dass man Juden ausweiden und an Bäumen aufhängen“ wolle, so der ehemalige Chef des Brandenburger Verfassungsschutzes.
„Wenn man von Polizei und Verfassungsschutz erwartet, dass sie nicht nur Feuerwehr sind und den Brand löschen, sondern dass sie vorher versuchen, den Brand zu verhindern, dann muss man ihnen auch die Mittel an die Hand geben“, so Müller.
Die Aktionen der „Letzten Verteidigungswelle“ waren im April 2024 durch Recherchen von „Stern“ und RTL öffentlich geworden. Anfang Dezember 2025 erhob der Generalbundesanwalt Anklage gegen mehrere Mitglieder – unter anderem wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung, versuchten Mordes und der Verabredung zum Mord.
