Vereiner der Linken
Frankreichs Ex-Premier Jospin gestorben
Aktualisiert am 23.03.2026 – 11:50 UhrLesedauer: 2 Min.
Er war Bildungsminister und Regierungschef in Frankreich, hat dem linken Lager mit einem Zusammenschluss zum Sieg verholfen und trieb soziale Reformen an. Nun ist der Sozialist Lionel Jospin verstorben.
Frankreichs früherer Premierminister Lionel Jospin ist tot. Das berichtete die französische Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie des Sozialisten. Jospin starb demnach am Sonntag im Alter von 88 Jahren. Auch Frankreichs aktueller Premier Sébastien Lecornu und Jospins Partei PS verbreiteten die Todesnachricht. Der gelernte Wirtschaftsprofessor war von 1997 bis 2002 Regierungschef. Unter ihm wurde die 35-Stunden-Woche eingeführt und die Amtszeit des Präsidenten auf fünf Jahre verkürzt. Noch heute gilt er im linken politischen Lager als erfolgreicher Schmied eines parteiübergreifenden linken Bündnisses.
Jospin wurde am 12. Juli 1937 in Meudon im Pariser Umland in eine protestantische Lehrerfamilie hineingeboren. Schon in jungen Jahren engagierte er sich in linken Organisationen. Gefördert wurde Jospin dabei von seinem politischen Ziehvater, dem langjährigen Präsidenten François Mitterrand. Jahrelang führte er die Sozialistische Partei an, mehrfach diente er als Bildungsminister.
Die heutige Linke in Frankreich blickt mitunter nostalgisch auf Jospin zurück. Als Architekt der „gauche plurielle“, also einer vielfältigen Linken, schaffte er es, Gräben zwischen den Parteien des linken Spektrums zu überwinden. Mit dem Zusammenschluss gewann das linke Lager 1997 die Parlamentswahl gegen die bürgerliche Rechte von Präsident Jacques Chirac. Jospin wurde Premier der rot-grünen Regierung.
Die herbe Niederlage und der weitestgehende Abschied aus der Politik folgten für Jospin aber nur wenige Jahre später. Während er bei der Präsidentschaftswahl 1995 noch ein sehr solides Ergebnis erzielt hatte, aber letztlich in der Stichwahl gegen Chirac unterlag, schied er bei dem Votum 2002 völlig überraschend in der ersten Wahlrunde aus. In die Stichwahl schaffte es stattdessen der rechtsextreme Jean-Marie Le Pen von der Front National (FN).










