Sie haben keine gute Meinung von Matthias Grafström?
Bei Herrn Grafström erwarte ich nicht, dass er irgendetwas tut, was den ethischen Regeln des Fußballs entspricht.
Gilt das auch für Kevin Lamour? Der Fifa-Betriebsdirektor hatte Infantino als Erster vorgeworfen, die Mitarbeiter hintergangen zu haben.
Kevin Lamour hat früher an der Seite von Uefa-Präsident Aleksander Čeferin gearbeitet und sich dann auf die Seite von Gianni Infantino geschlagen. Dass er Kritik übt, ist wahrscheinlich eher von der Hoffnung geprägt, in der Fifa überleben zu können, wenn Infantino nicht mehr Präsident ist.
Was unterscheidet Lamour von Grafström?
Von Kevin Lamour habe ich in der gemeinsamen Zeit bei der Uefa den Eindruck gewonnen, dass es ihm um eine gute und ethikbasierte Entwicklung des Fußballs geht. Daher hoffe ich, dass er dazu beiträgt, dass die Fifa sich wieder mehr an den eigenen Statuten orientiert.
Bröckelt also die Macht des Gianni Infantino?
Es ist zweifelsohne so, dass ein angeschlagener Infantino den ein oder anderen mutig macht, der vielleicht auch schon über die Tage von Infantino hinausdenkt.
Ich war immer stolz darauf, dass ich ein kritisches Verhältnis zu Infantino hatte.
Ex-DFB-Präsident Reinhard Grindel
Für einen Sturz Infantinos gibt es nur zwei Optionen: Entweder wird er beim Fifa-Kongress im März 2027 abgewählt oder 19 der 37 Mitglieder des Fifa-Councils berufen schon früher eine Krisensitzung ein und fordern ihn zum Rücktritt auf.
Der Fifa-Council ist das Gremium, in dem jetzt Entscheidungen getroffen werden müssen. Die Statuten der Fifa müssen wieder gelten. Dort muss alles rund um die beabsichtigte Gründung der Tochtergesellschaft und mögliche wirtschaftliche Verabredungen aufgearbeitet werden. Außerdem muss deutlich werden, dass das Vertrauensverhältnis zwischen Infantino und den großen Kontinentalverbänden derart gelitten hat, dass man sich nicht vorstellen kann, wie eine Zusammenarbeit in Zukunft aussehen soll.
Was macht Sie optimistisch, dass das gelingen kann?
Ich weiß, dass Aleksander Čeferin im Council ein hohes Ansehen genießt. Auch andere Kontinentalpräsidenten wie Victor Montagliani vom nord-, zentralamerikanischen und karibischen Fußballverband (Concacaf) und Scheich Salman vom asiatischen haben eine kritische Distanz zu Infantino. Sie müssen jetzt einen Weg vorgeben, dass in der Fifa wieder die Rechtsstaatlichkeit gilt und nicht die Gesetze des Gianni Infantino.
Wird Infantino nach dem Fifa-Kongress am 18. März 2027 also noch Präsident sein?
