Prozessauftakt in Köln

Ex-Bandidos-Boss schweigt vor Gericht – schwere Vorwürfe


22.04.2026 – 10:49 UhrLesedauer: 3 Min.

Der Angeklagte Aykut Ö. mit seinen Verteidigern: Er bestreitet die schweren Tatvorwürfe, schweigt an ansonsten aber zum Prozessauftakt in Köln

Der Angeklagte Aykut Ö. mit seinen Verteidigern: Er bestreitet die schweren Tatvorwürfe, schweigt ansonsten aber zum Prozessauftakt in Köln (Quelle: Sebastian Hahn)

Als „President“ der Kölner Bandidos soll Aykut Ö. mehrere schwere Straftaten angeordnet haben. Eine Person wurde bei den Aktionen lebensgefährlich verletzt.

Als die zwei Männer um kurz nach 1 Uhr nachts aus einer Shishabar in die kalte Novemberluft treten, ahnen Sie noch nicht, dass sich ihr Leben kurz darauf um 180 Grad drehen wird. Ein Freund hat ihnen netterweise seinen VW Golf geliehen, mit dem fahren sie nun in Richtung Köln-Kalk. Auf der Stadtautobahn B55a setzt sich dann ein weißer Mercedes neben sie. Kurz darauf fallen Schüsse.

Insgesamt sechs Projektile schlagen in den VW Golf ein, eines davon durchbricht die Fahrertür und trifft den Mann am Steuer. Die Kugel trifft den Darm und fügt ihm schwere innere Verletzungen zu, bevor sie im Oberschenkel stecken bleibt. Noch in der Nacht kämpfen die Ärzte um sein Leben, drei Wochen bleibt der Mann im Krankenhaus. Ihm wird ein künstlicher Darmausgang gelegt, bis heute leidet er unter den Folgen des Angriffs.

Besonders tragisch: Die Schüsse sollten eigentlich nicht den jungen Männern im VW Golf gelten, sondern dem Besitzer des Wagens. Er soll Mitglied der Kölner Hells Angels gewesen sein – und Auslöser einer Auseinandersetzung mit den Bandidos, die im Winter 2018 erschüttert hatte.

Im November hatte ein Mitglied der Bandidos ein Video veröffentlicht, wie sich das Hells-Angels-Mitglied nach einem Aufeinandertreffen auf der Straße in einem Burgerladen in Köln versteckt. Die Überwachungskameras nehmen die Szene auf. Ein Bandidos-Mitglied lädt das Video später in den sozialen Medien hoch, um den Mann zu verhöhnen. In seinem Stolz gekränkt, soll das Hells-Angels-MItglied Schüsse auf einen bekannten Treffpunkt der Bandidos in Köln angeordnet haben. Dabei werden zwei Menschen leicht verletzt.

Aykut Ö. ist damals „President“ des Kölner Bandidos MC. Er soll hinter dem Angriff sofort die Hells Angels vermutet haben, konkret den Mann aus dem Video. Er soll kurz darauf eine Vergeltungsaktion geplant haben, um den Hells Angels eine Lektion zu erteilen. Die beauftragten Bandidos-Mitglieder entdecken ihr Ziel in der folgenschweren Novembernacht in einer Shishabar, bekommen aber nicht mit, dass der Mann gar nicht am Steuer sitzt. Kurz darauf fallen die Schüsse unweit der Kölner Zoobrücke.

Auftraggeber und Drahtzieher soll Aykut Ö sein. So sieht es zumindest die Kölner Staatsanwaltschaft, die Ö. unter anderem wegen der Anstiftung zu versuchtem Mord, Verstößen gegen das Waffen- und Kriegswaffenkontrollgesetz, sowie gemeinschaftlich begangener schwerer Körperverletzung anklagt.

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