Starlink-Alternative
Musk macht misstrauisch – und Europa reagiert
Aktualisiert am 15.10.2026 – 20:38 UhrLesedauer: 5 Min.

Die Ukraine zeigt, wie ein Ausfall bei Starlink militärische Einsätze gefährdet. In verschiedenen Teilen der Welt wird deshalb an Alternativen gebaut. Davon profitiert bereits ein deutscher Raumfahrtkonzern.
Ukrainische Einheiten stellten es in der Nacht zum Mittwoch fest: Sie hatten plötzlich ein Problem mit der Steuerung ihrer Drohnen. Elon Musks Starlink-Satelliten taten zwar ihren Dienst weiterhin, die für den Internetempfang nötigen Terminals arbeiteten. Aber nicht so, wie sie es eigentlich können und sollen.
Die Folge: kein ständig aktualisiertes Videobild mehr von in der Luft befindlichen Drohnen, Ausfälle von 10 bis 20 Sekunden, Steuerbefehle kamen nicht oder nur mit Verzögerung an, Drohnen, die nicht mehr in Echtzeit zu steuern waren, sobald sie eine bestimmte Geschwindigkeit überschritten. Die Chance, sich bewegende Ziele abzufangen, verschlechterten sich dadurch, die Gefechtsfeldführung war gestört. Zusatzfunktionen von Starshield, einem militärischen Dienst auf Basis der Starlinksatelliten, waren deaktiviert. Manche Einsätze schlugen deshalb fehl, andere mussten abgeblasen werden.
Bisher gibt es noch keine offizielle Bestätigung dafür, dass die US-Regierung eingegriffen und den Ukrainern kurzzeitig den Zugang abgedreht und militärische Nutzungsrechte und Geschwindigkeitsfreigaben eingeschränkt hat. Inzwischen haben sich die Probleme entschärft. Die Republikaner im Senat fordern trotzdem eine Untersuchung der Starshield-Beschränkungen und werfen Trump vor, Putin zu unterstützen.
Das führt deutlich vor Augen: Die Abhängigkeit von Satellitendiensten kann verhängnisvoll sein, die USA können mit einem Knopfdruck Armeen entscheidend schwächen. Das in der Ukraine sichtbare Problem ist längst auch anderen Teilen der Welt bewusst. Die EU versucht deshalb für Milliarden Euro ein Alternativnetzwerk zu Starlink aufzubauen: mit einem eigenen Satellitenschwarm, eigenen Steuerungen und voller eigener Kontrolle.
Mit OneWeb gibt es beispielsweise von dem weitgehend europäischen Anbieter Eutelsat ein Netz von 648 Satelliten, die in rund 1.200 Kilometern Höhe über der Erdoberfläche ihre Bahnen ziehen. Der französische und der britische Staat sind große Anteilseigner der Eutelsat Group mit Sitz in Paris, aber auch ein indischer Konzern ist beteiligt. Nicht nur Schifffahrt, Ölplattformen oder abgelegene Industriestandorte sind Kunden, sondern auch Verteidigungsbehörden lassen heute bereits darüber Backup-Verbindungen und sichere Satellitenkommunikation laufen. Auch Taiwan hat nach Zweifeln an der politischen Verlässlichkeit von Elon Musk 2024 Eutelsat beauftragt, die Telekommunikationsinfrastruktur des Landes zu stärken.
Deutschland plant neben EU eigenes Programm
Eutelsat ist aber primär Aktionären und dem Markt verpflichtet. Die EU hat deshalb 2024 beschlossen, dass es eine breiter aufgestellte Lösung mit verschiedenen europäisch geprägten Unternehmen geben soll: Iris² nennt sich diese, „Infrastruktur für Resilienz, Vernetzung und Sicherheit per Satellit“. Die EU-Kommission und das SpaceRISE-Konsortium mehrerer europäischer Satellitenkonzerne arbeiten an der Umsetzung, die die sicherheitspolitischen Anforderungen der gesamten EU berücksichtigen soll. Es ist das dritte große europäische Satellitenprogramm nach Galileo für Satellitennavigation und -ortung und Copernicus zur Erdbeobachtung. Neben Eutelsat ist das spanisch kontrollierte Hispasat an Iris² beteiligt, außerdem SES, wo der luxemburgische Staat Ankeraktionär ist.