Juristin Frauke Brosius-Gersdorf
„Es wurde so unglaublich viel gelogen“
07.05.2026 – 08:25 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine rechte Kampagne, Lügen über ihre Positionen und Frauenhass: Nach der gescheiterten Wahl zur Verfassungsrichterin zieht Frauke Brosius-Gersdorf eine bittere Bilanz.
Die Potsdamer Juraprofessorin Frauke Brosius-Gersdorf rät Frauen nach der gescheiterten Richterwahl im vergangenen Sommer, sich nicht unterkriegen zu lassen. „Die Maxime kann doch eigentlich nur sein, jetzt erst recht“, sagte Brosius-Gersdorf am Mittwochabend bei einer Podiumsdiskussion in Berlin. Die Frauenfeindlichkeit gegenüber öffentlich präsenten Frauen werde sich erst ändern, wenn Frauen in allen Bereichen der Gesellschaft, Politik und Wirtschaft genauso präsent und gleichberechtigt sind wie Männer, betonte die Juristin. Da müsse sich aber auch die Politik fragen, wie sie das stärker unterstützen könne.
Die Juristin sieht Frauenfeindlichkeit auch als eine Ursache dafür, dass ihre Wahl zur Verfassungsrichterin gescheitert ist. „Die Frauenfeindlichkeit, die ich im Nachhinein bei der Richterwahl auch ziemlich stark sehe, die habe ich während des Sommers letzten Jahres nicht so empfunden“, sagte sie weiter. Sie habe das damals „auch ein Stück weit von sich weggeschoben“, erkenne dies aber nun.
Die Juristin sprach bei einer Veranstaltung der Bundestagsfraktion der Grünen, auf der sie unter anderem gemeinsam mit deren Fraktionschefin Britta Haßelmann und der Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal über die Stärkung der Rechte von Frauen diskutierte.
Brosius-Gersdorf hatte vor einigen Tagen bekannt gegeben, ein Buch über die Ereignisse im vergangenen Sommer zu schreiben. Es soll unter dem Titel „Wahl und Wahrheit“ am 1. September erscheinen.
Die Juristin kritisierte nun, dass ihre Positionen verdreht worden seien. „Es wurde so unglaublich viel gelogen über meine Position zum Schwangerschaftsabbruch“, sagte sie. Im Internet seien ihr „Hass und Hetze“ entgegengeschlagen. Dieser habe immer auch eine „sexuelle Komponente“ gehabt. Gleichzeitig sei ihr die persönliche Eignung als Verfassungsrichterin abgesprochen worden. Dass sich „Fake News“ und „Hass und Hetze“ bis ins Parlament Bahn gebrochen hätten, dürfe so nicht wieder passieren, mahnte sie.
Weil sie ihre wissenschaftliche Expertise in die Öffentlichkeit getragen habe, sei ihr außerdem vorgeworfen worden, „zu laut, zu stark, zu exponiert, zu profiliert“ zu sein. Das hätte man einem männlichen Kandidaten nicht vorgeworfen, so die Juristin weiter. Dieser wäre als souverän und durchsetzungsstark bezeichnet worden. „Und das finde ich verstörend.“











