Einmal im Jahr kommt die ganze Welt nach Berlin, um sich im besten Licht darzustellen. Wer durch die kilometerlangen Messehallen der Reisemesse ITB Berlin schlendert, vorbei an riesigen LED-Screens mit spektakulärer Naturkulisse, sonnenverwöhnten Städten und fröhlichen Gesichtern, bekommt einen guten Eindruck davon, wie riesig die Reisebranche ist. 6.000 Aussteller aus 166 Ländern der Welt waren Anfang März 2026 auf der 60. ITB vertreten und 97.000 internationale Fachbesucher strömten in die deutsche Hauptstadt, um über neue Trends zu diskutieren. Der internationale Tourismus ist eine der wichtigsten Säulen der Weltwirtschaft – er macht fast zehn Prozent des globalen BIP aus und bietet weltweit etwa jeden zehnten Arbeitsplatz. Im Jahr 2025 unternahmen 1,6 Milliarden Menschen Reisen in andere Länder, mehr als je zuvor.
Der Erfolg hat jedoch seinen Preis: „Viele Regionen leiden mittlerweile unter dem Massentourismus“, sagt Dr. Efthymia Sarantakou. Sie ist Forscherin am Institut für Tourismusmanagement der University of West Africa in Athen. „Wir müssen den Tourismus in Zukunft viel stärker partizipativ gestalten. Die Bevölkerung vor Ort muss direkt in Planungsprozesse einbezogen werden.“ Mark Aoun stimmt zu. „Die Nachfrage nach Reiseerlebnissen abseits der ausgetretenen Pfade ist groß.“ Aoun ist Gründer einer libanesischen Nichtregierungsorganisation für Ökotourismus und setzt sich seit vielen Jahren dafür ein, Reiseerlebnisse noch stärker als bisher auf lokaler Ebene zu verankern. Gemeinsam mit der deutschen Botschaft in Beirut initiierte er das Green Village Project zur Förderung eines nachhaltigen Dorftourismus.
