Widerstand von JU und AfD

Wirbel um Muezzin-Ruf in Göttingen


27.02.2026 – 00:32 UhrLesedauer: 2 Min.

Die DITIB-Moschee in Göttingen: Erstmals wurde hier jetzt per Lautsprecher zum Gebet gerufen. (Quelle: IMAGO/imageBROKER/F. Scholz/imago)

Premiere in Göttingen: Der Muezzin ruft per Lautsprecher von der Moschee. Nicht alle Bürger sind damit einverstanden.

In der niedersächsischen Stadt Göttingen ist am Dienstag das erste Mal per Lautsprecher der Ruf eines Muezzins erschallt. Um 19.30 Uhr wurden damit Gläubige zum Gebet und den Beginn des Fastenbrechens gerufen. Es handelte sich allerdings um einen Testlauf.

Die DITIB-Gemeinde hatte den Ruf zuvor bei einem Runden Tisch mit Vertreterinnen und Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen und der Stadtverwaltung abgestimmt, berichtet der NDR. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) betonte, es handele sich dabei nicht um ein politisches Symbol, sondern um gelebte Religionsfreiheit im Rahmen des Rechtsstaats.

Der Ruf des Muezzins war nur in Teilen der Stadt zu hören, wie die „Taz“ berichtet. Vor und in der Moschee seien Hunderte Gläubige gewesen. In Zukunft soll der Muezzin einmal im Monat an einem Freitagmittag zum Gebet rufen, heißt es weiter. Der Test wurde unter anderem deshalb durchgeführt, weil man die Lautstärke messen wollte. Gemessen wird dabei die Lautstärke am nächstgelegenen geöffneten Fenster umliegender Häuser.

Oberbürgermeisterin Petra Broistedt (SPD) hatte vorab erklärt, dass die Stadtverwaltung den Ruf nicht untersagen kann, wenn die Grenzwerte eingehalten werden. „Die Religionsfreiheit ist ein hohes Gut unserer Verfassung. Sie gilt für alle Glaubensgemeinschaften gleichermaßen“, sagte sie laut „Taz“.

Die Stadt stehe zum Artikel 4 des Grundgesetzes, der die Ausübung der Religion erlaube. Dazu gehören für die Oberbürgermeisterin auch Kirchenglocken und der Muezzin-Ruf. Man habe das am Runden Tisch besprochen, es habe auch Gegenstimmen gegeben, räumte sie ein.

Der evangelische Göttinger Superintendent Frank Uhlhorn sagte laut der Zeitung, dass es durchaus ernst zu nehmende Gegenargumente gebe – etwa von Geflüchteten, bei denen der Ruf ungute Assoziationen wecken könne. Aus der Jüdischen Gemeinde gab es ebenfalls Bedenken, auch weil während des Gebets „Allahu akbar“ – „Gott ist größer“ ertönt, ein Ruf, der auch von islamistischen Terroristen gebraucht wird. Das könne Ängste hervorrufen, so die Vorsitzende Jacqueline Jürgenliemk zur „Taz“.

Die Junge Union lehnt den Ruf ab. „Ein dreiminütiger Gebetsruf, der den gesamten Stadtteil erreicht, ist ein erheblicher Eingriff in die negative Religionsfreiheit der Mitbürger“, sagte laut dem Bericht Maja Bohn, Vorsitzende des Göttinger JU-Stadtverbandes, und fügte an: „Religionsfreiheit gilt in Deutschland, anders als oft suggeriert, nicht schrankenlos.“ Kritik gab es auch an der Ditib. Recherchen zeigten, so die JU, dass diese intern oft grob antisemitisch handele, nach außen sich aber liberal gebe.

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