Erste Probefahrt mit dem Plug-in-Hybrid McLaren Artura

McLaren baut erst seit gut zehn Jahren Seriensportwagen. Die Entscheidung des Formel-1-Rennstalls, sich auf das Terrain von Ferrari, Lamborghini und Co. zu wagen, hat sich längst als richtig erwiesen. Mehr als 20.000 Supersportwagen sind seither in Woking bei London entstanden, alles Zweisitzer auf Basis eines Carbon-Monocoque mit Mittelmotoren.

Das Modell 720, wobei die Zahl für die Leistung in PS steht, unterfüttert jetzt der Artura, der von Grund auf neu entwickelt wurde. Er ersetzt sozusagen das Basismodell 570 S. „Beim Artura ist alles neu“, freut sich Chefentwickler Ben Gulliver. „Monocoque, Fahrwerk, Lenkung, Bremsen, Antrieb, Sitze, das Innenraum-Layout.“ Und neu ist nicht nur der V6-Motor, dessen Zylinderbänke in einem 120-Grad-Winkel stehen, neu ist auch sein elektrischer Kompagnon, der ihn mit bis zu 95 weiteren PS unterstützt. Die Gesamtleistung der Einheit beträgt somit 680 PS. Auch das Drehmoment von 720 Newtonmeter bei 2250 Umdrehungen in der Minute kann sich sehen lassen.

Lässt sich durchaus im Alltag bewegen

Die Drei-Liter-Maschine wiegt ungefähr 50 Kilogramm weniger als die 4,0-Liter-V8 von McLaren, allerdings bringt die gesamte zusätzliche Elektrotechnik 150 Kilogramm extra auf die Waage. Ein Großteil davon entfällt auf die 7,4-kWh-Batterie, die an der Steckdose in nicht mehr als zweieinhalb Stunden aufgeladen ist. Rein elektrisch kann der 1,5 Tonnen schwere McLaren knapp 30 Kilometer fahren, jedoch nicht schneller als 130 km/h. Bis zu 200 km/h mehr können es sein, wenn der Mittelmotor voll gefordert wird. Die Kraft überträgt ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe auf die Hinterräder. Wobei das Getriebe keinen Rückwärtsgang hat, soll zurückgesetzt werden, geschieht dies mit der Kraft des Elektromotors.

Komplett neu ist nicht nur der V6-Motor des Artura, sondern auch sein elektrischer Kompagnon, der ihn mit bis zu 95 weiteren PS unterstützt.





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Probefahrt McLaren Artura
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Der Supersportwagen mit den schlauen Reifen

Auf ersten Probefahrten harmonierte die Triebwerkskombination gut bis sehr gut. Nur mit Akkukraft bewegt, überrascht der Artura mit deutlich vernehmbaren mechanischen Geräuschen, was jedoch Absicht sei, hieß es. Dagegen ist der Klang des V6 wenig spektakulär, aber das kann man unterschiedlich wahrnehmen. Natürlich fegt der Artura über die Straßen, als gäbe es kein Morgen. Bei vollem Leistungseinsatz dauert der Spurt von 0 auf 100 km/h nur drei Sekunden, in gut acht sind 200 km/h erreicht. Die 21,5, die es von 0 bis 300 km/h dauern soll, konnten wir nicht überprüfen, trotz Rennstrecke. Die Gerade war einfach nicht lang genug.

Bei allen Qualitäten für die Circuits dieser Welt, ein McLaren Artura lässt sich durchaus im Alltag bewegen. Erst recht mit der elektrischen Alternative. Sie hilft, die CO2-Emissionen auf nur 104 g/km zu drücken. Das ist freilich ein rechnerischer Wert, die 4,6 Liter Normverbrauch reichen im Alltag vielleicht für 30, nicht für 100 Kilometer. Viel zu schnell fiel die Tanknadel während unserer Fahrten. 66 Liter fasst das Behältnis.

Die Reifen kommen mit integriertem Computer

Aber kein Supersportwagen mit Verbrenner kann einen niedrigen Wert aufbieten, auch der Ferrari nicht. Doch das ist allenfalls eine Fußnote. Noch einmalig und bemerkenswerter sind die sogenannten „Cyber Tires“ von Pirelli. Der Artura ist nur dafür homologiert. Die Reifen, vorn auf 19- hinten auf 20-Zoll-Felgen, tragen einen kleinen Computer auf der Innenseite der Lauffläche, der die Reifentemperatur und den Druck via Bluetooth direkt an das Auto sendet. Winterreifen mit der gleichen Technik stehen zur Verfügung. Wir werden gesondert berichten.

Die Serienproduktion des Artura beginnt in diesen Tagen, Probleme mit Lieferketten gebe es momentan nicht. 230.200 Euro sind der Grundpreis für einen spektakulären Auftritt mit Scherentüren.

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