Start des Schienenzeitalters

Erste Eisenbahn Deutschlands fuhr in Nürnberg

Aktualisiert am 06.06.2026 – 04:28 UhrLesedauer: 2 Min.

Dampflok (Archivbild): 1835 fuhr der „Adler“, die erste Dampflokomotive Deutschlands, von Nürnberg nach Fürth (Quelle: DB Museum/Uwe Niklas )

Heute rauschen Züge im Minutentakt durch Deutschland – doch alles begann mit einer kurzen Strecke in Franken. Ein mutiger Schritt läutete 1835 eine neue Ära ein.

Was heute selbstverständlich wirkt, hatte am 7. Dezember 1835 in Nürnberg gerade erst begonnen: Die Ludwigs-Eisenbahn-Gesellschaft eröffnete die erste dampfbetriebene Eisenbahn Deutschlands und schickte die Lokomotive „Adler“ auf die Strecke nach Fürth – ein Moment, der das Land nachhaltig verändern sollte.

Die Verbindung zwischen den beiden Städten war nur etwa sechs Kilometer lang, doch sie stand für einen technischen Umbruch. Erstmals wurden Menschen und Güter in Deutschland regelmäßig von einer Dampflok transportiert. Der „Adler“, gebaut vom britischen Ingenieur Robert Stephenson, erreichte im Betrieb Geschwindigkeiten von etwa 24 bis 30 km/h; bei Demonstrationsfahrten habe sie sogar bis zu 60 km/h erreicht.

Vergangenheit trifft Gegenwart in der Fahrzeughalle I des DB Museums (Archivbild): Ein ICE im Vergleich mit der ersten Eisenbahn Deutschlands. (Quelle: DB Museum/Uwe Niklas )

Technik aus England, gebaut in Nürnberg

Die Lokomotive war in Einzelteilen aus England geliefert und in Nürnberg montiert worden. Verantwortlich dafür war der Mechaniker Wilhelm Spaeth, dessen Arbeit bis heute im Stadtarchiv dokumentiert ist. Gesteuert wurde der „Adler“ vom Engländer William Wilson, der eigens mit der neuen Technik nach Franken gekommen war und später Namensgeber einer Straße wurde.

Die kurze Strecke entwickelte schnell eine enorme Signalwirkung. Sie markierte den Beginn eines rasanten Ausbaus des Schienennetzes in Deutschland, das bis 1850 bereits auf rund 5.700 Kilometer angewachsen war. Zwischen 1836 und 1865 habe die Ludwigs-Eisenbahn das alleinige Recht auf den Verkehr zwischen Nürnberg und Fürth gehalten.

Der 1835 in Dienst gestellte Wagen Nr. 8 ist das einzige erhaltene Originalfahrzeug der Ludwigs-Eisenbahn (Archivbild): Der ursprünglich für die erste Klasse gebaute Wagen besitzt drei Abteile mit je zwei gepolsterten Sitzbänken. (Quelle: Wikipedia)

Der „Adler“ und sein Nachleben

Das Original der berühmten Lok ging später verloren: 1857 war der „Adler“ nach Augsburg verkauft worden und verschwand dort. Zum 100-jährigen Jubiläum 1935 wurde er nach historischen Vorlagen rekonstruiert; diese Nachbildung wurde nach einem Brand im Jahr 2005 erneut aufgebaut. Bereits 1836 war mit der „Pfeil“ eine zweite Lok nach Nürnberg geliefert worden, weiterhin gesteuert von William Wilson.

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