Er war auch in Deutschland aktiv

Ermittler suchen Opfer von diesem Serientäter


Aktualisiert am 10.02.2026 – 17:54 UhrLesedauer: 2 Min.

Jacques Leveugle: Die Fotos zeigen den Verdächtigen zu verschiedenen Zeitpunkten seines Lebens. (Quelle: Staatsanwaltschaft Grenoble)

Ein neuer Missbrauchsfall kommt ans Licht, 89 jugendliche Opfer zählt die Staatsanwaltschaft bisher. Einige Taten soll der Verdächtige auch in Deutschland begangen haben.

In Frankreich hat die Staatsanwaltschaft von Grenoble den Namen eines mutmaßlichen Serien-Missbrauchstäters veröffentlicht. Der heute 79 Jahre alte Jacques Leveugle soll jahrzehntelang Kinder und Jugendliche missbraucht haben. Die Ermittler haben bisher anhand von Aufzeichnungen des Mannes 89 Opfer gezählt, doch noch konnten nicht alle identifiziert werden.

Deswegen hat sich die Staatsanwaltschaft entschieden, den Namen des Verdächtigen bekannt zu geben und Fotos von ihm zu zeigen. „Es geht darum, dass mögliche weitere Opfer sich melden können“, erklärte Staatsanwalt Etienne Manteaux am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

Der Fall sei „ungewöhnlich“, sagte Manteaux weiter. Der Beschuldigte befinde sich bereits seit 2024 in Untersuchungshaft, die Öffentlichkeit sei aber erst jetzt informiert worden, weil die Ermittler zunächst die Fakten überprüfen und möglichst viele Opfer identifizieren wollten.

Die umfangreichen Aufzeichnungen, die den Fall ins Rollen brachten, hatte laut Staatsanwaltschaft ein Neffe des mutmaßlichen Täters auf einem USB-Stick bei Leveugle gefunden. Demnach waren die minderjährigen Opfer zwischen 13 und 17 Jahre alt. Die Taten seien zwischen 1967 und 2022 geschehen, sagte Staatsanwalt Manteaux. Außer in Frankreich habe Leveugle mutmaßlich in vielen weiteren Ländern sein Unwesen getrieben, unter anderem in der Schweiz, in Deutschland, Portugal, Marokko, Algerien, Niger, Indien, Kolumbien und auf den Philippinen.

„Er hat in verschiedenen Ländern als Nachhilfelehrer oder Lehrer gearbeitet, um junge Menschen zu treffen und sexuelle Beziehungen zu haben“, sagte der Staatsanwalt über den Beschuldigten. Leveugle habe auch Reisen von Jugendlichen betreut. Einige seiner Taten habe der heute 79-Jährige als „Teil eines Bildungsprozesses“ beschrieben.

Der in Annecy geborene Verdächtige, der zuletzt in Vizille im Arrondissement Grenoble lebte, ist laut Staatsanwalt „ein Intellektueller, der seine Projekte nie zu Ende geführt hat“. Demnach begann Leveugle ein Literaturstudium, schloss es aber nicht ab. Auch wollte er Lehrer, Sonderpädagoge und Krankenpfleger werden – erwarb aber nie eine entsprechende Qualifikation.

Neben den zahlreichen in den Aufzeichnungen festgehaltenen sexuellen Übergriffen und Vergewaltigungen habe Leveugle auch zwei Morde gestanden, sagte der Staatsanwalt weiter. 1974 habe er seine krebskranke Mutter im Endstadium der Krankheit mit einem Kissen erstickt. Mit derselben Methode habe er 1992 eine Tante getötet. Er habe sein Handeln damit gerechtfertigt, dass beide Opfer am Ende ihres Lebens gewesen seien, und er sich für sich dasselbe wünsche, wenn er sich in einer ähnlichen Situation befände.

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