Nach dem Abstieg in die 3. Liga entlässt die Fortuna laut übereinstimmenden Medienberichten Sportchef Sven Mislintat. Das wirft weit mehr Fragen auf, als es beantwortet.
Nach nur einem halben Jahr ist das Kapitel Sven Mislintat bei Fortuna Düsseldorf offenbar bereits wieder beendet. Die Art und Weise der Trennung – ebenso wie der Zeitpunkt mitten in einer entscheidenden Phase nach dem Abstieg – vermittelt erneut ein Bild strategischer Orientierungslosigkeit. Von Ruhe und Kontinuität ist Fortuna derzeit weiter entfernt als von der Rückkehr in die Bundesliga.
Unabhängig davon, wie man Mislintats Arbeit bewertet: Wer ihn als Sportchef und Kaderplaner verpflichtet, muss wissen, welchen Typen er sich ins Haus holt. Mislintat steht für klare Meinungen, hohe Ansprüche und ein ausgeprägtes Selbstverständnis in sportlichen Fragen. Genau dafür wurde er auch geholt – oder hätte zumindest geholt werden müssen. Wenn Aufsichtsrat und Vorstandsvorsitzender Alexander Jobst nun nach sechs Monaten feststellen, dass Zusammenarbeit und Kommunikation nicht passen, stellt sich zwangsläufig die Frage: Wurde diese Personalie überhaupt ausreichend vorbereitet?
Dabei hatte Jobst selbst angekündigt, Fortuna professioneller, moderner und ambitionierter aufstellen zu wollen. Die Verpflichtung Mislintats schien genau zu diesem Kurs zu passen: ein Fußballfachmann mit internationalem Netzwerk, mutigen Ideen und klarer sportlicher Handschrift. Dass dieses Projekt nun so schnell scheitert, beschädigt weniger Mislintat als vielmehr die Führungsebene des Vereins. Wer starke Persönlichkeiten verpflichtet, muss Reibung aushalten können. Wenn bereits nach kurzer Zeit der Rückzieher folgt, wirkt das nicht wie entschlossene Führung, sondern eher wie mangelnde Konfliktfähigkeit.
Düsseldorf: Zeitpunkt von Mislintat-Entlassung fragwürdig
Oder war ein zweiter starker Mann an der Spitze am Ende schlicht einer zu viel? Dass die Trennung offiziell einvernehmlich sein soll und offenbar auch Mislintat seine Zukunft nicht mehr am Rhein sah, dürfte Gründe haben. Er gilt als jemand, der Strukturen hinterfragt und konsequent handelt – auch mit unbequemen Entscheidungen. Offenbar fühlte er sich dabei zuletzt mehrfach ausgebremst.
Die Rolle des Aufsichtsrates ist in diesem Zusammenhang mehr als fragwürdig. Ein Kontrollgremium sollte Stabilität sichern und langfristige Entwicklungen fördern. Stattdessen trägt es hier Mitverantwortung für fehlende Klarheit und strukturelle Unruhe. Mehr noch: Der Aufsichtsrat steht sinnbildlich für viele Fehlentwicklungen der vergangenen Monate, wenn nicht Jahre. Mit der jetzigen Entscheidung lenkt er den Fokus zwar auf andere Personen, als Teil der Lösung wirkt er damit aber nicht.
Und sollte es tatsächlich gravierende inhaltliche Gründe gegeben haben, die eine Trennung von Sven Mislintat unvermeidbar machten, bleibt die Frage nach dem Timing. Warum fällt diese Entscheidung erst jetzt, eine Woche nach dem Abstieg? In der aktuellen Lage, mit einer desaströsen Ausgangssituation und lediglich zehn Profis unter Vertrag, zählt für Fortuna jeder Tag. Statt maximaler Handlungsfähigkeit ordnet der Verein nun zunächst die eigene Führungsebene neu – ein riskantes Signal.










