Tuchels Auswechslungen
„Die Spieler dachten wohl: ‚Oh, nein!'“
Aktualisiert am 16.07.2026 – 05:04 UhrLesedauer: 4 Min.

England verliert ein Spiel, das es eigentlich komplett in der Hand hatte. Doch eine Systemumstellung von Thomas Tuchel bringt die Elf aus dem Tritt.
Als der Schlusspfif ertönte, sanken Englands Nationalspieler kollektiv zu Boden. Zuteifst frustiert, traurig und fassungslos. Wieder wurde es nichts mit dem ersten Titel seit 1966. „Sixty years of hurt“ hätten an diesem Abend in Atlanta für die „Three Lions“ zu Ende gehen sollen. 60 Jahre des Schmerzes, wie es auf der Insel heißt. Doch es jubelten Lionel Messi und seine Argentinier nachdem 2:1-Sieg über England im WM-Halbfinale.
Kurz darauf stand vor allem einer im Kreuzfeuer der Kritik: Engalnds deutscher Trainer Thomas Tuchel. Er soll sein Team mit seinen Umstellungen kurz nach dem Führungstor durch Anthony Gordon verunsichert und es mit seiner Defensivtaktik aus dem Konzept gebracht haben. Der ehemalige englische Nationalspieler Micah Richards sagte bei der BBC hinzu: „Thomas Tuchel wurde geholt, um den Unterschied zu machen. Taktisch gesehen waren wir alle der Meinung, dass er heute falsch gelegen hat.“
Tatsächlich stellten beide Teams erst einmal einen Rekord im Neutralisieren auf. England gegen Argentinien war das erste Spiel der WM-Historie, das in den ersten 30 Minuten der Partie keinen einzigen Torschuss zu verzeichnen hatte. Keinen einzigen. Die Experten des Statistanbieters Opta verzeichneten für die gesamte erste Hälfte eine Expected-Goals-Rate von 0,08. Ebenfalls der tiefste Wert seit 1966.
Tuchel muss sich unangenehmen Fragen stellen
Ein Treffer lag also nicht gerade in der Luft. Das sollte sich in der zweiten Hälfte ändern, da kam Tuchels Elf plötzlich offensiv besser ins Spiel und erzielte den nicht unverdienten Führungstreffer. Doch dann brach England regelrecht ein. Der deutsche Coach musste sich hinterher unangenehmen Fragen stellen.
„Ich war ziemlich happy damit, wie wir das Spiel gestaltet haben“, sagte Tuchel vor Reportern in der Pressekonferenz. „Dann gehen wir 1:0 in Fürhung – und plötzlich verlieren wir komplett das Momentum, das war unglücklich und sehr seltsam.“ Tuchel erklärt diesen Wechsel im Spielgeschen psyhologisch. „Sie (Anm.: Argentinien) spielten auf einmal, als ob sie nichts mehr zu verlieren hätten. Wir spielten, als wir alles zu verlieren hätten.“
Tuchel ging aber noch über diese relativ simple psychologische Weisheit hinaus. Er erklärte, das sein Team in der Defensive ab den Führungstor zu viele Fehler gemacht habe. „Wir hatten Probleme, aus der tief stehenden Abwehr aktiv zu bleiben, wir hatten Probleme, ihre Flanken zu verteidigen und ihre Außenspieler aggressiv anzulaufen.“ Das die Engländer aber plötzlich hinten drin standen und nicht mehr ihr Heil im Vorwärtsgang suchten, hatte eben auch mit Tuchel zu tun.
Rooney: „Spieler dachten wohl ‚Oh, nein!'“
Der 120-fache englische Nationalspieler Wayne Rooney sah den Grund für diese Passivität denn auch nicht in einer plötzlichen Überforderung der englischen Spieler, sondern in der Systemumstellung, die Tuchel vorgenommen hatte. „Die Entscheidungen, die Tuchel getroffen hat, haben uns heute Abend den Sieg gekostet“, sagte Rooney bei der BBC.










