Entscheidung im Stadtrat

Empörung über Stolpersteinverbot in Heidenau

Aktualisiert am 25.09.2026 – 17:04 UhrLesedauer: 3 Min.

In Heidenau sollen künftig keine Stolpersteine mehr im öffentlichen Straßenraum verlegt werden. (Quelle: Robert Michael/dpa/dpa-bilder)

Im sächsischen Heidenau sollen auf Antrag von CDU und AfD keine Stolpersteine mehr verlegt werden. Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch spricht von einem „völlig falschen Weg“. Und nicht nur sie.

Die Empörung über das Vorgehen von CDU und AfD ist groß: In der sächsischen Kleinstadt Heidenau sollen künftig im öffentlichen Straßenraum keine Stolpersteine mehr zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus verlegt werden. Der Stadtrat hat einen entsprechenden Antrag von AfD und CDU beschlossen. Die Entscheidung löst bundesweit Kritik aus. Israels Botschafter Ron Prosor schrieb auf X: „Ich bin beschämt.“

Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) sagte „Bild“: „Ein Verbot von Stolpersteinen wie in Heidenau ist in meinen Augen ein Skandal.“ Wer Erinnerungsorte jüdischen Lebens auf Friedhöfe verdrängen wolle, mache Jüdinnen und Juden „noch einmal unsichtbar“. Die kleinen Messingplatten im Gehweg erinnerten tagtäglich an einzelne Schicksale und daran, welche Verantwortung Deutschland aus dem Holocaust ableiten müsse.

Gedenken soll vorzugsweise auf dem Nordfriedhof stattfinden

Die Erinnerungsform der Stolpersteine gibt es bereits seit den 90er Jahren – und inzwischen in vielen europäischen Ländern. Die in der Regel spendenfinanzierten kleinen Steine werden am letzten bekannten Wohn- oder Wirkungsort von Opfern des Nationalsozialismus verlegt – deren Namen und Lebensdaten stehen auf einer Messingplatte auf der Oberseite der Steine.

In dem fraktionsübergreifenden Beschlussantrag gemeinsam mit dem „Bündnis Oberelbe für mehr Demokratie“ hatten Vertreter von AfD und CDU gefordert, solche Stolpersteine „im öffentlichen Straßen- und Gehwegbereich“ künftig abzulehnen.

Viele Bürger, Angehörige und Initiativen empfänden diese Form der Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus als nicht angemessen, hieß es in dem Antrag, der am Donnerstagabend beschlossen wurde. Stattdessen solle das Gedenken vorzugsweise auf dem Nordfriedhof der Stadt stattfinden, so „dass ein direktes Betreten der Gedenkelemente ausgeschlossen ist“.

Die Bürgermeisterin der Stadt, Conny Oertel (parteilos), äußerte sich auf Nachfrage zunächst nicht. Im MDR Sachsen erklärte sie, es sei in der Debatte nicht um das Ob des Gedenkens, sondern um dessen Form gegangen. „Wir in Heidenau wollen gedenken. Gestern ging es nur um die Art und Weise des Wie“ sagte Oertel dem MDR.

Israels Botschafter beschämt – Knobloch entsetzt

Israels Botschafter Prosor wies auf X darauf hin, dass in Berlin Stolpersteine an Mitglieder seiner eigenen Familie erinnern. „Stolze, assimilierte und erfolgreiche Deutsche, die wegen der Nazis ihr Land verlassen mussten. Und im Deutschland des Jahres 2026 beschließt ein Stadtrat, keine neuen Stolpersteine mehr zuzulassen“, so Prosor. „Deutschland braucht eine klare Brandmauer gegen Antisemitismus – von rechts, von links und aus islamistischen Kreisen. Ohne Ausnahme.“

Auch Charlotte Knobloch, Holocaust-Überlebende und Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, reagiert empört. Orte der Erinnerung aus dem Stadtbild zu entfernen sei der „völlig falsche Weg“, sagte Knobloch den Zeitungen der Funke Mediengruppe. „Und ich bin entsetzt, dass eine demokratische Partei sich dafür hergibt, ein so durchsichtiges Manöver der Extremisten von der AfD zu unterstützen.“

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