Weltgeschichte
Dieser Schatz zweier Deutscher ruht in England
24.04.2026 – 06:45 UhrLesedauer: 2 Min.

Manchester steht für Fußball, Popmusik, Architektur – und Weltgeschichte. Zwei Deutsche haben sie maßgeblich mitgeprägt und werden hier verehrt.
Manchester im Norden Englands ist berühmt für seine beiden Top-Fußballklubs Manchester United und Manchester City, für Bands wie Oasis, New Order, Joy Division und The Smiths sowie für seine lebendige Studenten- und Jugendszene. Vor einigen Jahren war die Stadt noch vom Ruß der Fabriken ergraut, heute erleben Besucher moderne Architektur, eine fantastische Gastroszene und typisch englische Landschaften im Umland.
Wer sich für Geschichte interessiert, weiß, dass Manchester als Wiege der industriellen Revolution gilt und sich damit auf ewig seinen Platz in der Weltgeschichte gesichert hat. Ein Artefakt aus dieser Zeit halten die Mancunians (so werden die Einwohner von Manchester im Englischen bezeichnet) in Ehren wie einen Goldschatz. Es ist der Schreibtisch zweier großer Deutscher.
Wie das? Zwei Deutsche in Manchester und ein simpler Tisch als Kostbarkeit? Tatsächlich.
Der deutsche Industrielle und Philosoph Friedrich Engels lebte Anfang der 1840er-Jahre in Manchester und war in der Baumwollgarnfabrik seines Vaters in Weaste beschäftigt. Während seiner Zeit in der Industriestadt machte Engels zahlreiche detaillierte Beobachtungen, die zur Veröffentlichung seines einflussreichen Werks „Die Lage der arbeitenden Klasse in England“ und in der Folge zur Veröffentlichung der Schrift „Das Manifest der Kommunistischen Partei“ führten.
Der weltberühmte Sozialwissenschaftler Karl Marx, der damals in London lebte, war eng mit Engels befreundet und ein häufiger Besucher in Manchester. Im Sommer 1845 entwickelten er und Engels die Gewohnheit, gemeinsam an einem Tisch in der Nische des Lesesaals der Chetham’s Library zu studieren.
Offenbar hinterließ die Bibliothek bei den beiden Männern einen starken Eindruck. In einem Brief an Marx schrieb Engels im Jahr 1870: „In den letzten Tagen habe ich wieder viel Zeit damit verbracht, an dem viereckigen Tisch in der Nische zu sitzen, an dem wir vor vierundzwanzig Jahren zusammen saßen. Ich mag diesen Ort sehr. Das Buntglasfenster sorgt dafür, dass das Wetter dort immer schön ist. Der alte Jones, der Bibliothekar, lebt noch, aber er ist sehr alt und nicht mehr aktiv. Ich habe ihn dieses Mal nicht gesehen.“











