Berliner Feuerwehr
Alle 28 Sekunden ein Notruf – neuer Rekord seit 1851
22.05.2026 – 18:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Berliner Feuerwehr hat 2025 so viele Einsätze gezählt wie nie zuvor in ihrer Geschichte. Dahinter stecken Entwicklungen, die den Rettungsdienst seit Jahren belasten.
558.000 Einsätze in einem einzigen Jahr: Die Berliner Feuerwehr hat 2025 den höchsten Wert seit ihrer Gründung im Jahr 1851 verzeichnet. Das geht aus dem Jahresbericht hervor, den Feuerwehrchef Karsten Homrighausen vorgestellt hat. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Einsätze um rund 26.000 – ein Plus von knapp fünf Prozent.
Damit hat sich die Einsatzzahl innerhalb von 25 Jahren verdoppelt. Statistisch gesehen geht alle 28 Sekunden ein Notruf über die 112 ein, alle 56 Sekunden beginnt ein Einsatz, alle 50 Minuten eine Brandbekämpfung. Homrighausen erklärte, die Belastungsgrenze im Rettungsdienst sei schon länger erreicht.
Der weitaus größte Teil der Einsätze entfiel auf gesundheitliche Probleme oder medizinische Notfälle. Brände waren nur bei rund 21.000 Alarmierungen der Auslöser, wobei in etwa der Hälfte der Fälle tatsächlich gelöscht werden musste. Hinzu kamen mehr als 20.000 technische Hilfeleistungen.
Es gibt sogenannte Vielrufer
Als Ursachen für den anhaltenden Anstieg nannte Homrighausen mehrere Faktoren: Berlins Einwohnerzahl wachse, der Anteil älterer und pflegebedürftiger Menschen steige, und immer mehr Menschen lebten allein, ohne schnelle Hilfe aus dem familiären Umfeld zu erhalten. Zudem nähmen soziale und psychiatrische Notfälle zu. Oft würden Sanitäter auch bei leichten Beschwerden gerufen, obwohl Betroffene selbst einen Arzt aufsuchen könnten. Homrighausen sagte: „Wir bringen sie ins Krankenhaus und dann gehen sie wieder nach Hause. Und eine Stunde später rufen sie uns wieder an.“
Besondere Aufmerksamkeit gilt einer kleinen Gruppe von Vielrufern. Die Feuerwehr unterscheidet zwischen sogenannten „High Frequent Usern“ mit sieben bis zehn Anrufen pro Jahr und „Super Frequent Usern“ mit mehr als zehn. Im vergangenen Jahr waren 2.533 Personen aus diesen beiden Gruppen für insgesamt 31.529 Einsätze verantwortlich, im Schnitt 12,5 Einsätze pro Person. Das entspricht hundertmal so vielen Alarmrufen wie vom durchschnittlichen Berliner. Als Hintergründe nennt die Feuerwehr psychische Erkrankungen, Pflegeprobleme, fehlende Medikamente, Drogensucht, soziale Isolation, Einsamkeit und Obdachlosigkeit.
Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und Homrighausen lobten das vor einem Jahr eingeführte System, nach dem Notrufe sofort in fünf Dringlichkeitsstufen eingeteilt werden. Bei dringenden Fällen habe sich die Reaktionszeit verkürzt, weniger dringende Einsätze dauerten dafür etwas länger. Mehr leichte Fälle als früher würden direkt an den telenotärztlichen Dienst und die Kassenärztliche Vereinigung weitergegeben.
Stromausfall war Einsatz-Treiber
Als größte Einzelereignisse des vergangenen Jahres nannte Homrighausen den weitreichenden Stromausfall nach einem Brandanschlag im September auf den Techpark in Adlershof im Südosten Berlins sowie zwei dicht aufeinanderfolgende Stürme im Juni. Spranger kündigte an, eine Expertengruppe werde im Juni einen Bericht zu den Lehren aus dem Stromausfall im Herbst 2025 und im Januar 2026 vorlegen. Dabei gehe es um Verbesserungen auf Landes- und Bundesebene. „Wir müssen uns fitter machen, aber wir sind auf einem guten Weg“, sagte die Senatorin.
Bei der Berufsfeuerwehr sind knapp 6.000 Menschen beschäftigt, dazu kommen rund 3.000 Ehrenamtliche bei den Freiwilligen Feuerwehren und den 49 Jugendfeuerwehren. Der Frauenanteil unter den Feuerwehrleuten liegt trotz Werbung und Fördermaßnahmen bei lediglich 2,8 Prozent. Bei den Auszubildenden beträgt er inzwischen 12,9 Prozent.
