Skurriler Geheimtipp

Das kleinste „Königreich“ der Welt liegt mitten im Harz


Aktualisiert am 27.02.2026 – 20:30 UhrLesedauer: 2 Min.

Das „Königreich“ Romkerhall im Okertal (Archivbild): Auch wegen des Romkerhaller Wasserfalls ist es ein beliebtes Ausflugsziel. (Quelle: IMAGO / Schöning)

Mitten im Harz behauptet ein Hotel, dass es das kleinste „Königreich“ der Welt sein soll. Es gibt dort sogar eine eigene Währung. Was steckt hinter dem skurrilen Ort?

Mitten im Harz, nur wenige Kilometer von Goslar entfernt, liegt ein Ort, der auf keiner politischen Landkarte existiert: das „Königreich Romkerhall“. Hier begegnen Besucher Wappen, royalen Insignien – und einer Monarchin, die persönlich den Ritterschlag vollzieht. Was zunächst wie ein Märchen wirkt, entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als kunstvoll inszenierte Geschichte mit ungewöhnlichem Hintergrund.

Die Geschichte Romkerhalls beginnt im 19. Jahrhundert, als hier ein Jagdschloss für König Georg V. von Hannover errichtet wurde. Nach der preußischen Annexion Hannovers 1866 verlor das Anwesen seine Bedeutung und wurde später in ein Hotel umgebaut.

In den 1980er-Jahren folgte eine skurrile Wendung: Der damalige Besitzer erklärte das Hotel zum „Königreich Romkerhall“ und berief sich auf die angebliche Gemeindefreiheit des Gebiets als Basis für eine autonome Zone. Eine rechtliche Grundlage gibt es dafür nicht – doch das Narrativ funktioniert bis heute. Besucher erhalten beim Einchecken ein „Visum“, es gibt eine eigene Währung und Ritterschläge als zahlungskräftige Attraktion.

1988 wurde Prinzessin Erina von Sachsen, Herzogin zu Sachsen, feierlich inthronisiert. Nach ihrem Tod im Jahr 2010 übernahm Susanne Bauer – nun „Fürstin Susanne zu Romkerhall“ – die Repräsentation des Königreichs. Ursprünglich aus Nürnberg, entdeckte sie Romkerhall im Jahr 2006 und baute es zur Touristenattraktion aus. Seither verteidigt sie ihr Reich gegen Zweifler und Konkurrenten, darunter ein selbst ernannter „Fürst- und Großprior“ eines Templerordens, der eigene Ritterschaften verkaufen will, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ im Jahr 2022 berichtete.

Nicht nur die royale Inszenierung zieht Gäste an, sondern auch der nahegelegene Romkerhaller Wasserfall. Mit einer Höhe von rund 64 Metern ist er einer der höchsten Wasserfälle im Harz. Ursprünglich künstlich angelegt, fügt er sich heute harmonisch in die Landschaft ein und bietet ein reizvolles Ausflugsziel.

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