Politik

Ampel-Architekt Wissing: Ein Buch über ein Experiment

Aktualisiert am 26.03.2026 – 05:00 UhrLesedauer: 4 Min.

„Verantwortung“ – der Name des Wissing-Buchs spricht Bände. (Archivbild) (Quelle: Arne Dedert/dpa/dpa-bilder)

Die Ampel war ein politisches Experiment – und scheiterte. Einer ihrer größten Verfechter erklärt, warum. Es geht auch um den Niedergang der FDP.

Es ist ein dramatischer Abend im Kanzleramt. Am 6. November 2024 stellt der Kanzler seinem Verkehrsminister eine Frage: „Bleibst du?“ Die Antwort des Ministers: „Ja.“ Der Kanzler ist Olaf Scholz (SPD), der Minister Volker Wissing. Kurz zuvor hat Scholz seinen Finanzminister Christian Lindner entlassen. Hintergrund ist ein erbitterter Streit über den Kurs in der Wirtschafts- und Haushaltspolitik. Die Ampel zerbricht. Aber Wissing bleibt in der Regierung – und tritt aus seiner Partei, der FDP, aus.

„Mir war klar, dass ich die Partei verlassen musste, um einem Dauerkonflikt zu entgehen“, schreibt Wissing in einem Buch, das nun erscheint. Das sei der Preis für eine Loyalitätsentscheidung zugunsten des Staates gewesen.

Es entspricht der Haltung Wissings. Sein Buch trägt den Titel „Verantwortung“. Wissing geht mit der FDP hart ins Gericht. Dabei nennt er kaum Namen – der Name Lindner taucht ein einziges Mal auf.

Nach dem denkwürdigen November-Abend im Kanzleramt bleibt Wissing Verkehrsminister und übernimmt zusätzlich das Justizressort. Er behält beide Posten bis zum Antritt der neuen Regierung im vergangenen Mai. Danach verlässt er die Politik. Wissing (55) hat eine Anwaltskanzlei und übernahm im Sommer 2025 zusätzlich den Vorsitz eines Beirates der Beratungsgesellschaft Christ Capital GmbH.

In Rheinland-Pfalz wird nach dem Ergebnis der Landtagswahl am vergangenen Sonntag nach langen Jahren die letzte Ampel in Deutschland abgeschaltet. Die FDP flog aus dem Landtag, ihr Niedergang setzt sich fort. Das dürfte auch Wissing schmerzen, er kommt aus Rheinland-Pfalz.

Ein kurzer Steckbrief: Geboren 1970 in Landau in der Pfalz, evangelischer, gläubiger Christ, Kirchenmusiker, Jurist, Richter, Staatsanwalt, Anwalt. 1988 Eintritt in die FDP. Wissing wird Bundestagsabgeordneter und 2016 Minister für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau sowie Vize-Ministerpräsident in Rheinland-Pfalz.

„Ich habe mir gegenüber der Politik immer eine innere Freiheit und Unabhängigkeit bewahrt“, schreibt Wissing. In seinem Buch kritisiert er öffentliche Selbstinszenierungen und eine ständige Medienpräsenz von Politikern, betont den Wert der Sacharbeit und verurteilt eine rein parteipolitische Denke: „Das Volk ist der Souverän, der Politiker ist sein Diener.“

Wissing ist in Rheinland-Pfalz einer der Architekten der Ampel aus SPD, Grünen und FDP, er nennt es ein Experiment. Er arbeitete eng mit der damaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zusammen.

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