Mögliche Fluchtziele könnten sich bei blockierten Fluchtwegen nach Europa Richtung Osten weg von Europa verlagern, womöglich über Pakistan nach Indien oder Malaysia. Laut Foroutan ist auch eine Bewegung in Richtung der großen Volkswirtschaften Japans und Südkoreas möglich, „die aufgrund ihrer niedrigen Fertilitätsraten auf Migration angewiesen sind“.
„Aus dem Iran emigrieren insbesondere Eliten und die Mittelschicht. Die finden auch schneller Arbeit in Industrieländern des Globalen Nordens“, betont die Expertin. Die Menschen seien somit auch für den deutschen Arbeitsmarkt attraktiv. So betont ein Sprecher der Arbeitsagentur auf t-online-Anfrage: „Das Bildungsniveau im Iran und die Zahl der Personen mit akademischen Abschlüssen ist im internationalen Vergleich im Iran auf einem hohen Niveau.“
Eine Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln zeigt, dass Iraner überdurchschnittlich gut in den Arbeitsmarkt integriert sind. So haben 43,3 Prozent der iranischen Beschäftigten einen Hochschulabschluss, während das bei nur 19,5 Prozent der anderen ausländischen Beschäftigten der Fall ist. Fast drei Viertel (73,1 Prozent) arbeiteten der Studie zufolge als Fachkräfte, rund ein Drittel (31,7 Prozent) sogar als Spezialisten oder Experten. Auch Frauen sind überdurchschnittlich qualifiziert.
Der Sprecher der Agentur für Arbeit schränkt allerdings ein: „Fluchtmigration kann langfristig als Nebeneffekt einen Beitrag zur Fachkräftesicherung leisten, dient aber nicht primär diesem Ziel.“ So sei der Nutzen aufgrund fehlender Sprachkenntnisse eher mittel- als kurzfristig.
Angesicht der Tatsache, dass Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) aufgezeigt haben, dass eine jährliche Nettozuwanderung von mindestens 400.000 Personen notwendig sei, um das Arbeitskräftepotential stabil zu halten, könnte sich dennoch zeigen: Während vielerorts vor allem Sorge vor der möglichen Ankunft von iranischen Geflüchteten herrscht, könnte dies auch eine Chance bieten.











