Vorfall in Leipzig
Die nächste Drohne könnte alles ändern
MeinungEin Gastbeitrag von Ferdinand Gehringer
09.08.2026 – 11:16 UhrLesedauer: 4 Min.
Nach dem Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle streitet Deutschland über Zuständigkeiten. Die eigentliche Frage bleibt unbeantwortet: Wie schützen wir kritische Infrastruktur wirksam vor solchen Angriffen?
Deutschland ist am Flughafen Leipzig/Halle haarscharf einer Katastrophe entgangen. Und die Reaktion? Eine sich wiederholende Diskussion über Zuständigkeiten und Kompetenzen von Polizeien, Bundeswehr und Betreibern kritischer Infrastruktur (Kritis). Das ist die falsche Debatte, geführt an der falschen Stelle.
Die Drohnenbedrohung ist nicht neu. Seit Jahren wird sie beobachtet, und dass aus Ausspähung irgendwann Sabotage wird, war absehbar. Passiert ist in den letzten Monaten trotzdem zu wenig.
Die Zuständigkeitsdebatte ist ein Ablenkungsmanöver
Die Zuständigkeiten für die Abwehr von Drohnen sind klar geregelt und brauchen keine Änderung. Unser Hauptproblem ist kein bürokratisches, sondern ein praktisches: Uns fehlen die nötigen Fähigkeiten zur Detektion und Abwehr von Drohnen in der Fläche.

Zum Autor
Ferdinand Gehringer, geboren 1991, ist Sicherheitsanalyst und Co-Autor des Buchs „Deutschland im Ernstfall – was passiert, wenn wir angegriffen werden“. Zuvor war er als Policy Advisor bei der Konrad-Adenauer-Stiftung tätig. Der Jurist berät Politiker zu hybriden Bedrohungen, Cyber- und Informationssicherheit wie dem Schutz kritischer Infrastrukturen.
Drohnen müssen zuverlässig erkannt, identifiziert und verfolgt werden können – durch elektrooptische, akustische und Wärmebildsensoren. Und wo es notwendig ist, müssen Sicherheitskräfte sie auch wirksam aus der Luft holen dürfen und können. Dafür braucht es in erster Linie den von der Politik formulierten Willen, im Zweifelsfall eine Drohne auch abzuschießen und die Risiken der Folgen in Kauf zu nehmen. Diesen Willen gab es bisher nicht. Es ist jetzt an der Zeit, diesen Mut aufzubringen.
Über Zuständigkeiten neu zu verhandeln ist bequemer, als Fähigkeitslücken einzugestehen und in die Schließung zu investieren. Auch die nächste Drohne wird sich für erneute Zuständigkeitsdebatten nicht interessieren.
Vollständigen Schutz gibt es nicht – und braucht es auch nicht
Machen wir uns nichts vor: Deutschland kann nicht jede kritische Infrastruktur rund um die Uhr lückenlos sichern. Dafür gibt es zu viele Anlagen, zu viel Angriffsfläche und zu viele Möglichkeiten, Schaden anzurichten. Das muss aber auch gar nicht der Anspruch sein.
Wir müssen Prioritäten setzen: Welche Infrastruktur ist so kritisch, dass ihr Ausfall überregionale Folgen hätte? Wo könnte ein Angriff den größten Schaden anrichten? Genau dort müssen wir anfangen.
Für besonders schutzwürdige Objekte könnten Betreiber kritischer Infrastrukturen zur Unterstützung der hoheitlichen Gefahrenabwehr einbezogen werden. Sie könnten – staatlich unterstützt – eigene Detektionsmaßnahmen aufbauen und ein Mindestmaß an Abwehrfähigkeiten vorhalten, ausgeführt durch Sicherheitsdienste, die einem klaren haftungsrechtlichen Rahmen unterliegen.










