Neue Forschung zeigt
So beeinflussbar ist das Risiko für eine frühe Demenz
14.04.2026 – 15:49 UhrLesedauer: 2 Min.
Demenz kann auch Menschen unter 65 betreffen. Eine neue Studie enthüllt, wie wichtig beeinflussbare Faktoren bei der Entstehung einer solchen Frühdemenz sind.
Wenn jemand vor dem 65. Lebensjahr an Demenz erkrankt, sprechen Fachleute von einer Frühdemenz. Die Ursachen bleiben oft unklar. Ein Forschungsteam in den USA hat nun gezeigt, dass dabei dieselben beeinflussbaren Risikofaktoren eine Rolle spielen wie bei später einsetzenden Demenzerkrankungen. Bei jüngeren Betroffenen wirken sich diese Faktoren sogar oft deutlich stärker aus.
Ursachen von Frühdemenz sind wenig erforscht
Bei einer Frühdemenz scheinen erbliche Ursachen naheliegend zu sein. Tatsächlich lassen sich aber nur circa 10 bis 15 Prozent aller Fälle eindeutig auf erbliche Demenzformen zurückführen. Obwohl weltweit jedes Jahr rund 370.000 Menschen im jüngeren Lebensalter an Demenz erkranken, ist das Thema bislang wenig untersucht.
Daher wollte das Forschungsteam mögliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Faktoren (die unter anderem die Gesundheit und den Lebensstil betreffen) und früh einsetzender Demenz aufdecken und mit denen bei spät einsetzender Demenz vergleichen. Dazu analysierte es fünf große Langzeitstudien aus dem Vereinigten Königreich und den USA. Insgesamt standen für die Analyse Daten von 544.442 Menschen zur Verfügung.
Größte Risikofaktoren: Depression, Diabetes und Lebensstil
Während einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 13,7 Jahren traten unter allen teilnehmenden Personen 807 neue Fälle von früh einsetzender Demenz und 14.253 neue Fälle von spät einsetzender Demenz auf. Dabei stellte sich die Depression als wichtigster beeinflussbarer Risikofaktor für eine frühe Demenz heraus: Betroffene erkranken demnach fast dreimal so oft vor dem 65. Lebensjahr an Demenz wie Menschen ohne Depression.
Zudem haben laut der Analyse Menschen mit Diabetes ein mehr als doppelt so hohes Risiko für eine Frühdemenz wie solche ohne Diabetes, während ein niedriger Schulabschluss das Risiko fast verdoppelt. Wer aktiv raucht oder sich zu wenig bewegt, erkrankt ebenfalls deutlich häufiger an einer frühen Demenz.
Bei vier dieser wichtigsten Risikofaktoren für eine frühe Demenz – nämlich Depression, Diabetes, niedriger Schulabschluss und Rauchen – ergab sich auch ein erhöhtes Risiko für eine spät einsetzende Demenz. Hier waren die Zusammenhänge allerdings deutlich schwächer ausgeprägt.
Nicht alle Ergebnisse fielen wie erwartet aus
Auch bei übermäßigem Alkoholkonsum sowie bei Adipositas konnte das Forschungsteam ein erhöhtes Risiko für früh einsetzende Demenzerkrankungen feststellen. Es ergab sich jedoch keinerlei Zusammenhang mit einer späteren Erkrankung.
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Manche Ergebnisse sind auch überraschend. So konnte das Forschungsteam bei Bluthochdruck und bei zu hohen Cholesterinwerten (Hypercholesterinämie) in keinem Alter ein deutlich erhöhtes Demenzrisiko nachweisen. Dabei gelten beide als klassische Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Arteriosklerose. Betrifft diese die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, können sich daraus Schlaganfälle und eine Demenz entwickeln.
Die Ergebnisse zeigen Chancen auf
Laut dem Forschungsteam machen die Ergebnisse deutlich, dass der Lebensstil und die psychische Gesundheit gerade bei jüngeren Menschen eine entscheidende Rolle für den Erhalt der geistigen Fähigkeiten spielen. Wer beeinflussbare Risiken frühzeitig vermeidet, kann sein persönliches Demenzrisiko wohl deutlich senken.
