Kinderpornografie-Skandal
Trotz Verurteilung: Jurassica Parka moderierte noch Polizei-Gala
Aktualisiert am 04.11.2025 – 17:16 UhrLesedauer: 3 Min.
Jurassica Parka steht wegen Missbrauchsdarstellungen im Fokus. Obwohl sie schon 2023 verurteilt wurde, wurde die Dragqueen noch im Juli für eine Polizei-Gala engagiert.
Die Berliner Polizei sieht sich mit unangenehmen Fragen konfrontiert: Im Sommer 2025 trat die Dragqueen Jurassica Parka bei einer Gala unter ihrer Schirmherrschaft auf – zu einem Zeitpunkt, als bereits ein Verfahren wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Inhalte gegen den Darsteller lief. Inzwischen wurde bekannt, dass Jurassica Parka bereits 2023 in einem ähnlichen Fall rechtskräftig verurteilt worden war.
Die Gala, bei der Jurassica Parka durch den Abend führte, fand am 14. Juli 2025 im Berliner Theater des Westens statt. Die Veranstaltung mit dem Titel „Gemeinsambunt“ wurde von mehreren Partnern organisiert, darunter die Berliner Polizei, das Polizeipräsidium Brandenburg, das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf, der Verband Queere Vielfalt LSVD+ sowie eine Eventagentur. Ziel war es, Spenden für queere Menschen zu sammeln, die von Hasskriminalität betroffen sind.
Dass ausgerechnet eine bereits einschlägig verurteilte Person auf dieser Bühne stand, löst nun Irritationen aus. Nach Informationen des „Spiegel“ erfuhr die Berliner Polizei spätestens Ende März 2025 von den neuen Vorwürfen gegen Jurassica Parka. Die Ermittlungen übernahm die Staatsanwaltschaft am 6. Mai, die Wohnungsdurchsuchung fand jedoch erst nach der Veranstaltung – am 24. Juli – statt.
Eine Sprecherin der Polizei betonte auf Anfrage der „Welt“, es haben „weder der Behördenleitung noch den beteiligten Partnern“ zum Zeitpunkt der Gala entsprechende Hinweise vorgelegen. Gleichzeitig verwies sie darauf, dass eine Überprüfung von Künstlerinnen und Künstlern vor Veranstaltungen rechtlich nicht vorgesehen sei. Ein Austausch personenbezogener Daten innerhalb der Behörde finde nicht statt, da dies gegen gesetzliche Vorgaben verstoße.
Die Polizei Berlin kündigte an, für die kommende Ausgabe der Gala im Juni 2026 keine erneute Zusammenarbeit mit Jurassica Parka zu planen. Dem „Spiegel“ erklärte Sprecherin Lena Kniphals rückblickend: „Vor dem Hintergrund der Ermittlungen wäre die Beauftragung einer anderen Person zur Moderation sicherlich wünschenswert gewesen.“
Wer konkret für die Auswahl von Jurassica Parka als Moderatorin verantwortlich war, blieb offen. Weder das Theater des Westens noch die Polizei Berlin äußerten sich dazu. Nach Darstellung der Beteiligten wurde das Engagement mit allen Kooperationspartnern abgestimmt, ein Honorar sei nicht geflossen.
Der 46-jährige Mario O., der hinter dem Künstlernamen Jurassica Parka steckt, ist seit Jahren fester Bestandteil der Berliner Kultur- und Politbühne. In Berlin-Kreuzberg betreibt er eine eigene Bühnenshow, trat 2021 im Wahlkampf für die SPD auf und präsentierte Veranstaltungen mit Landespolitikern – unter anderem mit Berlins Regierendem Bürgermeister Kai Wegner aus der CDU. Auch bei großen queeren Events wie dem Christopher Street Day war er präsent, ebenso bei Aktionen des Bundesfamilienministeriums im Jahr 2024.
Im Oktober 2023 hatte das Amtsgericht Tiergarten Mario O. wegen Besitzes und Verbreitung kinderpornografischer Inhalte zu einer Geldstrafe von 160 Tagessätzen à 70 Euro verurteilt. Laut Urteil war das belastende Material bereits 2021 über soziale Netzwerke verbreitet worden. Die Entscheidung des Gerichts fiel milder aus, weil O. geständig gewesen sei, Reue gezeigt habe und die Tat bereits einige Zeit zurücklag.











