Oberbürgermeisterwahl
Grüner Triumph in München – jetzt muss Dominik Krause liefern
23.03.2026 – 05:37 UhrLesedauer: 3 Min.
Dominik Krause ist neuer Oberbürgermeister von München und steht vor zentralen Entscheidungen. Besonders die Frage der künftigen Koalition ist noch offen.
Mit dem Sieg in der Stichwahl hat Dominik Krause (Grüne) Geschichte geschrieben: Der 35-Jährige ist der erste grüne Oberbürgermeister Münchens und verdrängt Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) aus dem Rathaus. Doch nach dem Triumph folgt die Pflicht – und die Liste der Aufgaben ist lang.
Noch bevor Krause inhaltlich durchstarten kann, wartet eine politische Grundsatzfrage: Wer regiert künftig mit ihm? Seine Grünen stellen die stärkste Fraktion im Stadtrat. Dem Vernehmen nach will Krause zunächst mit dem bisherigen Koalitionspartner SPD über eine Fortsetzung des Bündnisses sprechen. Doch auch eine Zusammenarbeit mit der CSU schließt er nicht aus. Die Münchner CSU hatte im Wahlkampf allerdings noch Amtsinhaber Reiter gelobt und dessen „Pragmatismus“ betont – dieser stehe der CSU in vielen wichtigen inhaltlichen Fragen näher.
Das zentrale Wahlkampfversprechen war klar: „Ich will 50.000 neue bezahlbare Wohnungen schaffen“, hatte Krause angekündigt. In einer Stadt, die für horrende Mieten und extremen Wohnungsmangel bekannt ist, traf er damit einen Nerv. Sein Ansatz: rund 1,8 Millionen Quadratmeter leerstehender Büroflächen umwidmen, etwa zu günstigem Studentenwohnraum. Eine eigens gegründete Umwandlungsagentur soll das koordinieren.
Reiter hatte dagegen gehalten: Investoren hätten kaum Interesse an solchen Projekten, weil sie sich finanziell kaum lohnten. Krause will zudem an städtebaulichen Entwicklungsmaßnahmen (SEM) festhalten, die im Extremfall auch Enteignungen von Baugrundstücken am Stadtrand ermöglichen – allerdings nur als „absolut letztes Mittel“.
Münchens Haushalt umfasst rund neun Milliarden Euro – größer als der des Saarlandes. Dennoch ist das Geld knapp. Krause will die städtischen Lohnkosten nicht weiter steigen lassen und befürwortet einen Einstellungsstopp. Einsparpotenzial sieht er unter anderem in der Digitalisierung der Verwaltung.
Emotional aufgeladen ist die Lage rund um die Eisbachwelle im Englischen Garten. Der legendäre Surfspot am Haus der Kunst – berühmt bei Surfern aus München und aller Welt – ist seit Monaten verschwunden. Nach einer Bachreinigung entstand die Welle nicht mehr in gewohnter Form. Surfer reagierten mit Ungeduld, Politiker aller Parteien forderten ein rasches Handeln.
Bisher hatte vor allem Reiter das Gespräch mit den Surfern gesucht. Nun liegt es an Krause, eine Lösung zu finden – und er steht im Wort, die Welle so schnell und so unkompliziert wie möglich zurückzuholen.
Auch im Bereich Verkehr hat Krause eine klare Agenda: Ausbau von ÖPNV und Radwegen, Ausweitung von Fußgängerzonen. Denn das wachsende München – täglich pendeln zusätzlich zu den Stadtbewohnern rund 450.000 Menschen aus dem Umland ein – droht im Verkehrschaos zu versinken.
