Idee von Klingbeil-Berater
Studie offenbart Probleme bei Rente nach Beitragsjahren
08.05.2026 – 11:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Idee von Klingbeil-Berater Jens Südekum, die Rente an die Beitragsjahre zu koppeln, findet parteiübergreifend Zustimmung. Doch eine Studie zeigt nun deutliche Nachteile für viele Menschen.
Auf den ersten Blick klingt der Vorschlag plausibel: Nicht mehr das Lebensalter sollte über den Renteneintritt entscheiden, sondern die Zahl der Beitragsjahre. Doch das könnte gravierende Folgen haben, wie eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt, über die der „Spiegel“ berichtet.
Hintergrund ist ein Vorstoß des Düsseldorfer Ökonomen Jens Südekum, Berater von Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD): Statt abschlagsfrei in Rente gehen zu können, sobald man 67 Jahre alt ist, soll künftig zählen, wie lange jemand tatsächlich in die Rentenkasse eingezahlt hat. Denkbar wäre eine Kopplung des Rentenbeginns an 45 oder 47 Beitragsjahre.
Der Vorschlag stößt parteiübergreifend auf Zustimmung. Sowohl SPD-Chefin und Arbeitsministerin Bärbel Bas als auch CDU-Chef Friedrich Merz und CSU-Chef Markus Söder äußerten sich bereits positiv. Derzeit wird das Modell in der Rentenkommission der Bundesregierung geprüft.
Frauen und Arbeitslose besonders betroffen
Die DIW-Analyse zeigt, was der Vorschlag für heutige Rentner bedeuten würde. Demnach hätten bei einer sofortigen Einführung nur 40,8 Prozent des Geburtsjahrgangs 1957 die nötigen 45 Beitragsjahre erreicht. Mehr als die Hälfte hätte also entweder länger als bis 67 arbeiten oder Abschläge bei der Rente hinnehmen müssen.
Besonders betroffen wären Frauen, Menschen mit längeren Phasen der Arbeitslosigkeit und Akademiker. Laut der Untersuchung hätten nur 16,4 Prozent der Akademikerinnen und Akademiker die nötigen Beitragsjahre angesammelt. Bei Frauen insgesamt lag der Anteil bei unterdurchschnittlichen 35,7 Prozent. Noch schlechter schnitten Mütter mit drei oder mehr Kindern ab.
Auch Menschen mit niedrigen Renten wären deutlich benachteiligt. Im untersten Viertel der Rentenbezieher hätten laut DIW lediglich zwei Prozent mit 67 Jahren regulär in Rente gehen dürfen. Im obersten Viertel wären es dagegen knapp 70 Prozent gewesen.
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Gut verdienende Facharbeiter würden profitieren
„Eine solche Reform kommt hauptsächlich Personen mit einer weitgehend ununterbrochenen Erwerbsbiografie zugute“, zitiert der „Spiegel“ die Co-Studienautorin Annica Gehlen. Profitieren würden demnach vor allem gut verdienende männliche Facharbeiter. Einige könnten bereits mit 60 oder 61 Jahren in Rente gehen, wenn sie früh ins Berufsleben eingestiegen sind.
Die Forscher sehen deshalb Parallelen zur bestehenden „Rente mit 63“. Diese sollte ursprünglich besonders belasteten Berufsgruppen einen früheren Ruhestand ermöglichen. Tatsächlich werde sie aber vor allem von Versicherten mit vergleichsweise stabilen Erwerbsverläufen genutzt.
Was würde alles als Beitragsjahr zählen?
Kritisch sehen die Wissenschaftler auch die Folgen für gesundheitlich belastete Beschäftigte. Erwerbsminderungsrentner würden besonders häufig durchs Raster fallen. Laut Studie hätten nur 14,4 Prozent dieser Gruppe die erforderlichen Beitragsjahre erreicht.










