Nicht Nagelsmann, sondern Undav verursacht das Problem
Was soll die ganze Aufregung? Julian Nagelsmann hat ein Ass im Ärmel. Wenn Länderspiele auf der Kippe stehen, wenn der Gegner müde wird, wenn Deutschland dringend einen Funken braucht: Auftritt Deniz Undav. Dieser Joker sticht immer. Nagelsmann kann buchstäblich Tore einwechseln. Danach würden sich andere Nationaltrainer die Finger lecken.
Aber nein: Nagelsmanns „Rollenverständnis“ soll jetzt gefährlich sein. Wo liegt das Problem? Im System des Bundestrainers gibt es klare Stammspieler, Einwechselspieler, Ersatzspieler und reine Trainingspartner. Diese Rollen sind transparent nach innen und nach außen, klar kommuniziert und ergeben durchaus Sinn. Die Spieler wissen, woran sie sind.
Kai Havertz ist der international erfahrenste und technisch beste Mittelstürmer der deutschen Nationalmannschaft. Nick Woltemade ist ein groß gewachsener Zielspieler. Wenn einer dieser beiden die gegnerische Innenverteidigung lange genug „bespielt“ hat, kann Schlitzohr Undav zuschlagen. Wie sehr diese Rollenverteilung aufgeht, hat sich gerade gegen Ghana gezeigt, als Undav zwei Minuten vor Schluss das Siegtor schoss.
Alles super, oder nicht? Der Einzige, der aus dieser komfortablen Situation ein Problem verursacht, ist im Moment Deniz Undav selbst. Er weiß, wie wichtig Nagelsmann das Rollenverständnis ist, und sollte nicht nach zwei Spielen sagen, dass sich seine Rolle vielleicht noch verändern kann. Auch die eine oder andere Geste auf dem Spielfeld könnte er sich sparen. Das bringt unnötige Unruhe rein, die weder ihm noch dem Bundestrainer hilft.
So wiegelt man die Fans gegen den eigenen Trainer auf. Entsprechend genervt wirkt Nagelsmann schon jetzt, wenn er Fragen nach Undav beantworten muss. Und: So macht sich Undav selbst vom Trumpf zum Zankapfel, vom Kreuzass zur Karosieben. Das sollte er lassen. Nagelsmann hat ihm einen deutlichen Wink schon mitgegeben.
