TV-Verzögerung: Warum jubelt mein Nachbar bei der Fußball-WM vor mir? | Leben & Wissen

Fernsehen ist nicht gleich Fernsehen. Diese einfache Wahrheit wird uns regelmäßig bei großen Fußballturnieren bewusst, wenn der Nachbar schon jubelt, während wir bei der Übertragung noch auf ein Tor hoffen – oder wenn der Nachbar schon weiß, dass die Nationalmannschaft raus ist, während wir noch bangen. BILD erklärt, wie es zu dieser unerfreulichen Zeitverschiebung kommt.

Satelliten-Staffel

Der wichtigste Grund: Bevor das TV-Signal aus Katar in die deutschen Wohnzimmer kommt, verlässt es mehrmals die Erde, wird über Satelliten immer wieder zurückgespielt. Die Grafik unten veranschaulicht: Von der Kamera geht’s in einen Ü-Wagen, von dort per Internet-Leitung oder Satellit zum TV-Sender. Der bereitet das Signal auf, schickt es zum nächsten Satelliten und von dort geht das Signal dann über einen kurzen Umweg auf der Erde zum Satelliten, der es dann als TV-Signal empfangbar macht.

Lars Riedel, Head of TV & Entertainment bei Vodafone, erklärt, wie es von dort aus weitergeht: „Das Satellitensignal gelangt nahezu verzögerungsfrei zum Fernseher. Bei Kabel-TV kommt es zu einer leichten Differenz, weil das Satellitensignal die Quelle für die Übertragung im Kabel ist und fürs Kabel aufbereitet werden muss.“ Ähnlich sieht es bei der Übertragung per Internet-Signal oder über terrestrisches Antennen-TV (dvb-t) aus. Auch hier empfangen die jeweiligen Betreiber das Satelliten-TV-Signal und schicken es dann auf den Weg zum Kunden.

Bis zu 42 Sekunden später

Wie lange genau das dauert, hat die Firma Veed Analytics in über 600 verschiedenen Test-Messungen ermittelt. Die Grafik zeigt den Unterschied zwischen Satelliten-Empfang und die jeweils anfallenden Verzögerungen bei Kabelfernsehen, IPTV und Streaming-Diensten, die ihr Signal übers Internet ausstrahlen. Gemessen wurde an verschiedenen Orten, bei Webdiensten über DSL und Glasfaser-Leitungen.

Verzögerungen beim TV-Empfang – Infografik

Dr. Bernd Riefler, Chef von Veed Analytics fasst die Ergebnisse zusammen: „Bei der WM werden Zuschauer die Nase vorne haben, die über Satellit, Kabel und IPTV Tore bejubeln. Das ‚Nachsehen‘ haben die Nutzer des Streaming-Fernsehens – sie sehen Tore mit Verzögerung.“

Übrigens: Veed hat die Verzögerung von DVB-T-Ausstrahlungen nicht gemessen. Ähnliche Untersuchungen in der Vergangenheit zeigten aber: DVB-T2 HD ist meist etwas schneller als Kabelfernsehen, hat Verzögerungen von etwa zwei Sekunden zum Satellitensignal.

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