Fast unbekannt
„Mensch ärgere dich nicht“: Diese Basis-Regel ignorieren fast alle
13.04.2025Lesedauer: 3 Min.
Jeder kennt es, alle spielen es – aber kaum jemand hält sich an die offizielle Anleitung von „Mensch ärgere dich nicht“. Was die meisten nicht wissen.
Ob Familienfeier oder Spieleabend mit Freunden: „Mensch ärgere dich nicht“ liegt in vielen Haushalten ganz oben im Spieleregal. Schnell ausgepackt, leicht erklärt, immer für eine Runde gut – generationsübergreifend. Aber so vertraut das Spiel auch wirkt: Die meisten spielen es nicht nach den Regeln. Und zwar schon beim ersten Würfeln.
In den meisten Familien dürfte es so losgehen: Alle Figuren sind im „Häuschen“, also auf den vier farbigen Feldern, und reihum darf jeder Spieler dreimal würfeln. Mit einer Sechs wird dann die erste Figur ins Spiel gebracht. Doch davon ist in der Spielanleitung gar nicht die Rede. Wörtlich heißt es hier:
Jeder Spieler erhält 4 Spielfiguren einer Farbe. Er stellt 1 seiner Figuren auf das Feld A seiner Farbe, die übrigen 3 Spielfiguren werden auf die gleichfarbigen B-Felder gesetzt. Der jüngste Spieler beginnt. Gespielt wird reihum im Uhrzeigersinn.
Spielanleitung
Das bedeutet: Eine Spielfigur steht bereits zu Beginn auf dem Startfeld A und ist sofort im Rennen. Das Spiel kann ohne Würfelhindernis beginnen – ein Detail, das den Spielablauf deutlich beschleunigt. Trotzdem hält sich kaum jemand daran. Wahrscheinlich, weil sich die Variante mit dem „Start mit Sechs“ längst durchgesetzt hat – mündlich überliefert, über Generationen hinweg. Und vielleicht, weil es irgendwie dazu gehört, sich schon am Anfang darüber zu ärgern, wenn die ersehnte Sechs einfach nicht fallen will.
Zwei weitere Punkte sorgen immer wieder für Diskussionsstoff:
Letztlich hat jeder Brettspieler seine eigenen Sonderregeln – und das macht den Spaß aus. Sie sollten sich nur darauf einigen, dass für alle am Tisch die gleichen Regeln gelten, um mittelschwere Familienkrisen zu vermeiden.
Dass „Mensch ärgere dich nicht“ einmal zu den bekanntesten Spielen Deutschlands zählen würde, damit rechnete der Erfinder Josef Friedrich Schmidt wohl kaum, als er um 1907 das erste Spielbrett auf eine alte Hutschachtel zeichnete. Seine drei Söhne brauchten eine Beschäftigung – und Schmidt lieferte.
