Spaniens verlassene Dörfer
Wo Ruinen wieder zum Leben erwachen
Aktualisiert am 27.03.2026 – 07:53 UhrLesedauer: 5 Min.
In Spanien gibt es tausende verlassene Dörfer. Viele von ihnen sind nur noch Ruinen. Einige sind einen Besuch wert – und in manchen wird wieder gelebt.
Einst wurde in ihnen gelebt, geliebt, geschuftet, gefeiert, gebetet und getrauert. Dann setzten in Spaniens entlegenen Orten ab den 1950er-Jahren die Wellen der Landflucht ein. Maschinen machten viele Arbeitskräfte auf dem Land überflüssig. Minen schlossen. Fabriken – falls es sie überhaupt gab – zogen wieder ab.
„Die Menschen sehnten sich nach einer besseren Lebensqualität“, sagt Faustino Calderón aus Madrid, der auf seiner nicht kommerziellen Webseite eine Vielzahl verlassener Orte dokumentiert. „Sie sahen, dass in den Städten ein anderes Leben herrschte, weniger hart und mit mehr Wohlstand – und sie holten ihre Eltern nach.“ So verfielen viele Dörfer allmählich zu Geisterdörfern.
Ein Besuch kann gefährlich werden
„Wir haben das Landleben oft idealisiert, aber man lebte sehr schlecht. Es gab kaum Bildung. Für die Menschen ging es rein ums Überleben.“ Auch Ángel Lorenzo Celorrio befasst sich als Mitglied im Freundeskreis des Historischen Museums der Stadt Soria intensiv mit Wüstungen, von denen es in der gleichnamigen Provinz einige gibt. Und der pensionierte Feuerwehrmann, 64 Jahre alt, nennt seinen Favoriten unter den aufgegebenen Siedlungen: Peñalcázar.
Wer dieses und andere Dörfer besuchen will, braucht etwas Pionier- und Abenteuergeist – und tut dies auf eigene Gefahr, wenn man halb eingestürzte Kirchen und Häuser betritt. Touristische Infrastrukturen sind gewöhnlich nicht vorhanden.
Wo kein Wasser floss: Peñalcázar, Provinz Soria
In graubraunen Felsfarben liegt Peñalcázar regelrecht getarnt auf der Hochebene eines Kalksteinmassivs. Eine Straße führt nicht hinauf. Es steht ein knapp halbstündiger Fußmarsch ab einer Piste nahe dem Ort La Quiñonería an, in dem selbst nur ein paar Menschen wohnen – hier, rund 140 Kilometer westlich von Saragossa.
Peñalcázar ist ein Geisterdorf par excellence, den scharfen Winden und eisigen Wintern ausgesetzt. Es thront 1.200 Meter hoch über den Nachbarhügeln und Kornfeldern und stach im Mittelalter, als in Spanien die Kämpfe zwischen Mauren und Christen tobten, durch seine Festung heraus.
Erhalten hat sich zum Abgrund hin ein Burgmauerstück mit Zinnen. Die Reste der Kirche und Häuser scheinen aus dem Fels zu wachsen. Wirtschaftliche Basis waren Viehzucht und Landwirtschaft. Aus heutiger Sicht unvorstellbar: Es gab kein fließendes Wasser, nur einen Brunnen im Tal. Die Bewohner schafften Wasservorräte auf den Rücken von Lasttieren herauf.
Zistrosen in Mauerritzen: Aldealcardo, Provinz Soria
An der Pistenzufahrt steht das Ortsschild von Aldealcardo noch, das Leben erlosch 1975. Der Pfarrer kam zur Sonntagsmesse auf einem Esel angeritten. Heute wächst Gras aus der Haube des klobigen Kirchturms.
