Traumziel? Von wegen

Hier ist Urlaub keine Erholung mehr


Aktualisiert am 21.07.2026Lesedauer: 5 Min.

Gefährlich nah: Kreuzfahrtschiffe erreichen Venedig durch den Giudecca-Kanal. Die Passage ist umstritten, weil die Wasserverdrängung der Schiffe die auf Pfählen errichtete Stadt beschädigen könnte. (Quelle: IMAGO / Arnulf Hettrich)

Massentourismus ist kein Phänomen exotischer Reiseziele. Auch viele europäische Orte sind heillos überfüllt – und der Traumurlaub wird schnell zum Albtraum.

„Overtourism“, zu Deutsch „übertriebener Tourismus“, nennen Experten das Phänomen, wenn einst beliebte Reiseziele durch ihre eigene Popularität unattraktiv werden. Das passiert immer dann, wenn zu viele Besucherinnern und Besucher Orte zur gleichen Zeit aufsuchen. Übermäßiger Fremdenverkehr führt dann in Städten und Gemeinden dazu, dass Mieten steigen und Innenstädte sich vor allem den Bedürfnissen der Touristen mit Souvenirläden, Ausgeh- und Feierangeboten anpassen. Verwahrlosung und Vandalismus sind oft die Folge.

In Europa sind gleich mehrere Regionen von den Folgen des Massentourismus betroffen. Welche beliebten Reiseziele das sind, lesen Sie im Folgenden:

1. Venedig

Die Lagunenstadt an der Adriaküste erfreut sich seit den Anfängen des Tourismus großer Beliebtheit. Der Schriftsteller Thomas Mann widmete der Stadt 1911 sogar eine Geschichte. Doch der „Tod in Venedig“ steht heute sinnbildlich für die Bedrohung durch den Massentourismus.

Tausende Touristen drängen sich täglich durch Venedig. (Quelle: IMAGO/Malina Petr)

Eintrittsgeld wegen Ansturm von Kreuzfahrtschiffen: Bereits vor den pandemiebedingten Reisebeschränkungen ächzte Venedig unter den Kreuzfahrtschiffen, die von vormittags bis abends die Stadt mit Besuchern fluteten. Allein 2019 sollen 25 Millionen Menschen die Stadt besichtigt haben. Seit diesem Jahr müssen Tagesausflügler sogar Eintritt bezahlen, wenn sie Venedig besuchen wollen. Die Kulturbehörde der Vereinten Nationen hat die Stadt bereits auf die Liste der gefährdeten Weltkulturerbe-Orte gesetzt.

Ein „authentischer Stadtbummel“ ist kaum mehr möglich, bestehen die meisten Gassen doch bereits aus Souvenirshops. Aufgrund der enorm gestiegenen Mieten leben die meisten Venezianer im Stadtteil Mestre auf dem Festland.

2. Barcelona

Die Stadt an der Costa Brava hadert bereits seit Jahren mit stetig wachsenden Besucherzahlen, denn Barcelona ist international ein immer beliebteres Reiseziel geworden. 2022 haben die Behörden versucht gegenzusteuern und für sechs Monate strenge Auflagen für Tagestouristen aufgestellt. Denn wie auch in Venedig spülen Kreuzfahrtschiffe die meisten Touristen in die Stadt.

Frust wegen Wohnunsgmangel: Schon als Tourist bekommt man die Auswirkungen des Massentourismus zu spüren. Für Einheimische sind aber nicht nur verstopfte Straßen ein Problem – ihre Sorgen sind existenzieller Natur. Wegen des unregulierten Markts mit Ferienwohnungen sind die Mietpreise stark gestiegen. Die Bevölkerung Barcelonas zeigt ihren Frust offen, etwa durch an Hauswände gemalte Sprüche wie „Tourist go home“.

Deswegen hat die Stadt beschlossen, bis zum Ende des Jahres 2028 die Vermietung von Ferienwohnungen komplett zu unterbinden. Wohnungen, die aktuell noch an Besucher vermietet werden, sollen dann wieder den Bewohnern der Stadt zur Verfügung stehen.

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