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Home » Diese Medikamente sollen Ärzte deutlich früher verordnen
Gesundheit

Diese Medikamente sollen Ärzte deutlich früher verordnen

MitarbeiterBy MitarbeiterOktober 8, 2026
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Volkskrankheit Diabetes

Neue Empfehlungen könnten Behandlung deutlich verändern


08.10.2026 – 17:46 UhrLesedauer: 3 Min.

Bauchspeicheldrüse überlastet (Symbolbild): Der Insulinmangel führt zu dauerhaft erhöhtem Blutzucker – Gift für viele Organe.Vergrößern des Bildes

Eine Bauchspeicheldrüse ist überlastet (Symbolbild): Insulinmangel führt zu dauerhaft erhöhtem Blutzucker – Gift für viele Organe. (Quelle: nopparit/getty-images-bilder)

Aktuelle Zeit:0:00Gesamtdauer:0:00

Experten sprechen sich dafür aus, Typ-2-Diabetes schneller mit modernen Medikamenten zu behandeln. Dadurch sollen Folgeschäden besser verhindert werden.

Bei Typ-2-Diabetes sind die Blutzuckerwerte krankhaft erhöht. Daher konzentrierte sich die Behandlung lange vor allem auf den Blutzucker. Ein neues Konsensuspapier der American Diabetes Association (ADA) und der European Association for the Study of Diabetes (EASD) erweitert nun den Blick: Ärzte sollen von Anfang an auch Herz, Nieren, Gewicht und langfristige Risiken berücksichtigen. Medikamente könnten dadurch früher eingesetzt werden.

Melanie J. Davies, Professorin für Diabetologie an der University of Leicester und Co-Vorsitzende des Autorengremiums, sieht in den neuen Empfehlungen laut „Medscape“ einen Richtungswechsel in der Diabetestherapie.

Das internationale Autorenteam stellte die Empfehlungen auf dem EASD-Jahreskongress 2026 in Mailand vor. Sie aktualisieren damit die Empfehlungen diabetologischer Fachgesellschaften aus dem Jahr 2022. Der Bericht wurde in den Fachzeitschriften „Diabetes Care“ und „Diabetologia“ veröffentlicht.

Früherer Einsatz von Medikamenten soll Organe schützen

Im Mittelpunkt stehen die Diabetesmedikamente SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien wie Semaglutid. Nach den neuen Empfehlungen kommen diese Wirkstoffe für viele Menschen früher infrage, möglicherweise schon ab der Diagnose des Typ-2-Diabetes. Auf diese Weise sollen sie nicht nur den Blutzucker kontrollieren, sondern auch Organe wie Herz und Nieren schützen und langfristige Komplikationen verhindern.

Der HbA1c-Wert, der den durchschnittlichen Blutzucker der vergangenen acht bis zwölf Wochen abbildet, entscheidet dabei nicht mehr allein über die Wahl der Therapie. Ärzte sollen auch Vorerkrankungen und das persönliche Risiko für Organschäden berücksichtigen.

Konkret gibt das Konsensuspapier folgende Empfehlungen:

  • Herz-Kreislauf-Erkrankung: Ärzte können früh einen SGLT2-Hemmer oder eine GLP-1-basierte Therapie einsetzen. Dabei entscheidet nicht allein der HbA1c-Wert, sondern vor allem der mögliche Schutz von Herz und Nieren.
  • Chronische Nierenerkrankung: SGLT2-Hemmer bilden die Grundlage, um Herzschwäche und weitere Nierenschäden zu verhindern. Eine GLP-1-basierte Therapie kann zusätzlich das Risiko schwerer Herz-Kreislauf-Ereignisse und weiterer Nierenprobleme senken. Das Papier hebt Semaglutid als Möglichkeit hervor, das Fortschreiten der Nierenerkrankung zu bremsen.
  • Nierenerkrankung mit vermehrter Eiweißausscheidung: Zusätzlich kommt Finerenon infrage. Der Wirkstoff gehört zu den nichtsteroidalen Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und soll Herz und Nieren schützen.
  • Herzschwäche: SGLT2-Hemmer sollen früh zum Einsatz kommen. Bei Herzschwäche mit erhaltener Pumpkraft und gleichzeitigem Übergewicht kommen auch Semaglutid oder Tirzepatid infrage.
  • Herz-Kreislauf- und Nierenerkrankung beziehungsweise Herzschwäche gleichzeitig: Ärzte sollen früh eine Kombination aus SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierter Therapie prüfen.
  • Durchblutungsstörungen der Beine: Bei einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit kommt Semaglutid infrage, um Beschwerden zu lindern.
  • Fettlebererkrankung: Erstmals geben die Fachleute auch konkrete Empfehlungen für metabolisch bedingte Fettlebererkrankungen. Bei Adipositas und einer metabolisch bedingten Fettleber (MASLD) kommt eine GLP-1-basierte Therapie infrage. Liegt zusätzlich eine Leberentzündung vor (MASH), können Ärzte eine GLP-1-basierte Therapie, Pioglitazon oder eine Kombination prüfen.
  • Adipositas und Schlafapnoe: GLP-1-basierte Therapien können beide Erkrankungen gleichzeitig günstig beeinflussen.
  • Früh auftretender Typ-2-Diabetes: Auch hier sollen Ärzte SGLT2-Hemmer und GLP-1-basierte Therapien früh prüfen – einzeln oder in Kombination.

Die Empfehlungen setzen damit auf eine frühere und stärker personalisierte Therapie. Besonders Menschen mit Herz-, Nieren- oder Lebererkrankungen könnten profitieren.

Für Menschen mit kaum erhöhtem Blutzucker und geringem Risiko für Organschäden erlaubt das Papier dagegen weiterhin ein schrittweises Vorgehen mit den Medikamenten.

Metformin bleibt wichtig

Aber: Die modernen Therapien mit SGLT2-Hemmern und GLP-1-Rezeptoragonisten haben – wortwörtlich – ihren Preis. Sie sind deutlich teurer als bewährte Diabetesmedikamente wie Metformin und Sulfonylharnstoffe. Der unabhängige Berater Charles Alexander sieht laut „Medscape“ daher mögliche Hürden beim Zugang zu den neuen Therapien – vor allem in den USA.

  • Vorstufen der Zuckerkrankheit: Diabetes entdecken, bevor er richtig ausbricht
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