Diese Lösungen könnten das Problem beheben

Die jüngste Warnung kommt aus dem Gastgewerbe: Die Sommersaison laufe, doch Hotels und Restaurants erlebten einen „Stotterstart“, berichtete am Dienstag die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten. Der Grund: Viele Mitarbeiter haben in der Pandemie ihren Job verloren oder gekündigt, nun fehlt das Personal. Einige Betriebe legten deshalb Zwangsruhetage ein, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Guido Zeitler.

Das Gastgewerbe ist nur ein Beispiel von vielen, die zeigen, wie groß die Personalnot der Unternehmen in Deutschland ist. Aus dem Fachkräftemangel ist ein Arbeitskräftemangel geworden, von dem so gut wie alle Branchen betroffen sind. So droht an den Flughäfen ein Chaos-Sommer, weil etwa an den Sicherheitskontrollen, in der Gepäckabfertigung und in den Cockpits Mitarbeiter fehlen. Und auch die Bau-Gewerkschaft warnt, schon der Neubau von Wohnungen und die klimagerechte Sanierung der Bestandswohnungen seien mit den vorhandenen Kräften kaum zu schaffen. Deutschland braucht aber auch noch mehr Windräder, muss marode Brücken sanieren und Glasfaserkabel verlegen.

Doch so groß der Personalmangel in der Wirtschaft heute schon ist – er dürfte sich künftig noch verschärfen. Denn die sogenannten Babyboomer gehen jetzt erst nach und nach in Rente. Im Fall des geburtenstärksten Jahrgangs – 1964, mit knapp 1,4 Millionen Menschen – ist es im Jahr 2031 soweit. Und es rücken viel weniger junge Menschen nach. Der Jahrgang 2011 etwa ist nur knapp halb so groß. Die große Frage lautet also, wo künftig all die dringend benötigten Arbeitskräfte herkommen sollen.

Einwanderungssystem „radikal vereinfachen“

„Der große Hebel ist die Migration“, sagt Herbert Brücker, Forscher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), das zur Bundesagentur für Arbeit gehört. Das machte er bei einer Veranstaltung seines Instituts am Montagabend in Nürnberg anhand mehrerer Szenarien deutlich. So würde das Erwerbspersonenpotenzial in Deutschland bis zum Jahr 2060 ohne jegliche Migration selbst dann kräftig schrumpfen, wenn Frauen und Ältere deutlich mehr arbeiten würden. Bei einer Nettozuwanderung von rund 400 .000 Menschen im Jahr würde es hingegen gelingen, die Zahl konstant zu halten.

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Das IAB hält langfristig eine Nettozuwanderung von rund 100.000 Menschen im Jahr für realistisch – vor allem, weil aus EU-Ländern wie Polen und Spanien inzwischen viel weniger Menschen kommen und die Zuwanderung aus Drittstaaten den Rückgang bisher bei Weitem nicht kompensiert. Das liegt auch daran, dass die Visaverfahren und die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse langwierig und bürokratisch sind, wie Unternehmen und Wissenschaftler immer wieder beklagen. Die Bundesregierung will hier noch einmal rangehen, sagte Leonie Gebers, Staatssekretärin im Bundesministerium für Arbeit und Soziales. „Wir müssen diese ganzen Prozesse wesentlich unbürokratischer und digitaler gestalten.“

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