Besorgniserregende Entwicklung
Mangelware Hausarzt: In diesen Regionen wird die Versorgung ernst
20.07.2026 – 16:50 UhrLesedauer: 3 Min.
Bis 2040 könnte jede fünfte Hausarztstelle unbesetzt bleiben. In welchen Landkreisen und Städten sich die Lage verbessert oder verschlechtert, zeigt eine neue Studie.
Nach der Reform ist auch immer vor der Reform: Kaum hat die Bundesregierung das Gesetz zur Stabilisierung der Beiträge in der gesetzlichen Krankenversicherung durch den Bundestag gebracht, stehen nun die nächsten Vorhaben zur Reformierung des Gesundheitswesens an. Wichtigstes Unterfangen aus Sicht von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken ist dabei die Einführung eines sogenannten Primärarztsystems.
Vereinfacht sieht dieses vor, dass der Hausarzt verpflichtend zur ersten Anlaufstelle für alle Patienten wird. Er löst viele der Probleme seiner Patienten und schafft dadurch dringend benötigte Kapazitäten bei Fachärzten.
Eine an diesem Montag vorgestellte Studie des Berliner Iges-Instituts im Auftrag des Bosch Health Campus zeigt nun aber: Ohne flankierende Maßnahmen und Strukturverbesserungen drohen die Primärversorgungspläne der Bundesregierung zu scheitern.
Hausärztliche Versorgung unter Druck
Denn schon heute steht die hausärztliche Versorgung unter Druck. Im Jahr 2025 war bereits mehr als jeder dritte praktizierende Hausarzt älter als 60 Jahre alt, 4.400 Hausarztsitze waren zuletzt unbesetzt. Diese Zahl könnte in den kommenden Jahren deutlich steigen. Laut der Iges-Studie könnten 2040 rund 12.000 Hausarztsitze – das entspricht jedem fünften – unbesetzt bleiben. Fast ein Fünftel aller Landkreise in Deutschland könnte bis 2040 hausärztlich unterversorgt sein (Versorgungsgrad unter 75 Prozent), weitere 15 Prozent bewegen sich zudem nahe an der hausärztlichen Unterversorgung (Versorgungsgrad 75 bis 80 Prozent).
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Besonders betroffen vom zunehmenden Hausärztemangel sind dabei ländliche Regionen. Hier sticht vor allem Nordrhein-Westfalen hervor.
So könnte die Hausarztdichte im Hochsauerlandkreis – dem Wohnsitz von Bundeskanzler Friedrich Merz – von 2024 auf 2040 um 48 Prozent zurückgehen. Ähnlich drastisch könnte die Entwicklung laut Prognose in den Landkreisen Paderborn, Minden-Lübbecke (jeweils minus 47 Prozent) sowie im Märkischen Kreis (minus 46 Prozent) verlaufen.
Hausärztlicher Versorgungsgrad
Mit der Hausarztdichte bezeichnen die Forscher das Verhältnis von Hausärzten je 100.000 Einwohnern. Der hausärztliche Versorgungsgrad wiederum bemisst das Verhältnis der verfügbaren Hausärzte zum kalkulierten Bedarf in einer definierten Region. Wird für eine Stadt ein Bedarf von zwei Hausärzten errechnet, es ist jedoch nur einer verfügbar, besteht für diese Stadt ein hausärztlicher Versorgungsgrad von 50 Prozent.
Doch auch in anderen Bundesländern könnte die Versorgung schwierig werden: Auch im niedersächsischen Landkreis Osnabrück wird ein Rückgang von 46 Prozent prognostiziert, ebenso im hessischen Main-Kinzig-Preis.
Landkreise mit dem größten Hausarztschwund
| Landkreis | Veränderung der Hausarztdichte bis 2040 |
|---|---|
| Hochsauerlandkreis | -48 % |
| Minden-Lübbecke | -47 % |
| Paderborn | -47 % |
| Märkischer Kreis | -46 % |
| Osnabrück | -46 % |
| Lippe | -44 % |
| Karlsruhe | -44 % |
| Konstanz | -44 % |
| Waldshut | -43 % |
| Höxter | -43 % |
| Ortenaukreis | -42 % |
| Cuxhaven | -42 % |
| Kleve | -42 % |
| Bernkastel-Wittlich | -41 % |










