München erlebt einen politischen Erdrutsch. Dieter Reiter wankt – und Dominik Krause steht plötzlich vor der Chance, Geschichte zu schreiben.

Wie ein Erdbeben hat der Ausgang der Kommunalwahl das Münchner Rathaus durchgeschüttelt. Damit hätte vor drei Wochen kaum jemand ernsthaft gerechnet. Jetzt steht fest: Mit Dominik Krause tritt erstmals ein Grüner in einer Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters an. Auf der anderen Seite: Amtsinhaber Dieter Reiter von der SPD. Ein Mann, der sich jahrelang als unerschütterlicher Machtfaktor im Rathaus inszeniert hat.

Doch zwei Wochen vor der Stichwahl stellt sich plötzlich eine Frage, die noch vor kurzem absurd geklungen hätte: Kann Krause tatsächlich den amtierenden Oberbürgermeister vom Stuhl stoßen?

Ganz ausschließen lässt sich diese Sensation inzwischen nicht mehr. Im Gegenteil: Es gibt mehrere Gründe, warum das politische Beben in München noch stärker werden könnte.

Erstens wird der Skandal um Reiters Aufsichtsratsposten beim FC Bayern in den kommenden Tagen kaum abebben. Vieles spricht dafür, dass noch einige Nachbeben folgen. Die Fragen rund um diese Tätigkeit sind längst nicht geklärt. Schon bei der Kommunalwahl am Sonntag haben viele Wähler darauf reagiert und Reiter abgestraft. Vertrauen, das einmal beschädigt ist, lässt sich nicht innerhalb weniger Tage reparieren.

Zweitens hat Reiter sein Ergebnis vor allem den Briefwählern zu verdanken. Viele von ihnen hatten ihre Stimme schon abgegeben, bevor die Diskussion über seine Nebentätigkeit richtig Fahrt aufgenommen hatte. Bei der Stichwahl in zwei Wochen wird dieser Effekt kaum noch greifen. Dann entscheiden deutlich mehr Wähler unter dem Eindruck der aktuellen Debatte.

Drittens ergibt sich für Dominik Krause plötzlich eine seltene, beinahe unverhoffte Chance. Wer merkt, dass ein politisches Wunder tatsächlich möglich ist, mobilisiert oft Kräfte, die vorher gar nicht sichtbar waren. Genau das könnte jetzt passieren. Für Krauses Unterstützer ist die Aussicht auf den Chefsessel im Rathaus plötzlich real geworden – und das kann eine enorme Dynamik entfalten.

Die Zeit läuft jedoch gegen Reiter. Zwei Wochen werden kaum reichen, um das massiv verlorene Vertrauen zurückzugewinnen. Zumal der Eindruck wächst, dass der Oberbürgermeister im Rathaus zunehmend isoliert wirkt – nicht erst seit den Fragen rund um seine Rolle beim FC Bayern.

Share.
Exit mobile version