Ebenfalls will Wadephul noch den Chef der Internationalen Atomenergiebehörde, Rafael Grossi, treffen. Grossi wiederum befindet sich aktuell selbst im Wahlkampf: Der Argentinier bewirbt sich um die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres, der sein Amt im kommenden Jahr abgibt.
Öffentlich trat der Außenminister am Montag dann kurz nach 15 Uhr Ortszeit in New York an die Mikrofone. Im ersten Wortbeitrag der Sitzung warf Wadephul dem Iran zahlreiche Verfehlungen vor: Die Blockade der Straße von Hormus verletze etwa das Völker- und internationale Seerecht. „Eine fortgesetzte Eskalation, einschließlich Raketenangriffen auf zivile Ziele in den Golfstaaten, birgt die Gefahr weiterer Destabilisierung“, so Wadephul in Richtung Teheran. Deutschland sei zudem bereit, die Meerenge zu sichern, sobald die Kämpfe beendet seien.
Wann das allerdings der Fall sein wird, ist weiter offen. Denn noch immer zeichnet sich keine diplomatische Lösung zwischen den USA und dem Iran für ein dauerhaftes Ende des Kriegs ab. Zwar gilt aktuell eine Waffenruhe. Allerdings hat auch die US-Marine mittlerweile eine eigene Blockade in der Straße von Hormus begonnen. Das Militär stoppt dafür alle Schiffe, die iranische Häfen ansteuern oder verlassen. Damit soll verhindert werden, dass das Land weitere Einnahmen durch den Verkauf von Öl machen kann.
Wie weit die USA und der Iran aktuell auseinanderliegen, zeigte an diesem Tag derweil eine weitere Begegnung: Nach seiner Rede nahm der Außenminister an einer Debatte über den Atomwaffensperrvertrag teil.
Dort stritten sich Vertreter beider Länder auf offener Bühne: Ein Redner aus den USA warf dem Iran vor, den Vertrag durch sein eigenes Atomprogramm verletzt zu haben. Zudem gehe das Land bislang nicht auf die diplomatischen Vorstöße der USA ein. Ein Vertreter des Iran hatte zuvor versichert, das Land nutze sein Atomprogramm ausschließlich für friedliche Zwecke.
In seiner Rede zur maritimen Sicherheit kritisierte Wadephul nicht nur die iranische Seeblockade, sondern forderte auch ein Ende des iranischen Atomprogramms. Die US-Blockade erwähnte er allerdings mit keiner Silbe, selbst das Wort „USA“ kam in seinem Wortbeitrag nicht vor. Die Kritik an dem Verhandlungsgeschick des Weißen Hauses äußert an diesem Tag ein anderes Mitglied der Bundesregierung: ausgerechnet Friedrich Merz (CDU).
Der Bundeskanzler hatte am Montagmorgen zunächst bei einem Treffen mit Schülern im Sauerland den USA eine mangelnde Strategie im Umgang mit dem Iran vorgeworfen. „Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung“, sagte er. Später sprach Merz am Rande einer CDU-Klausurtagung davon, dass er mittlerweile „desillusioniert“ von dem Vorgehen der USA und Israels gegenüber dem Iran sei.










