Eine Reihe von Investitionsankündigungen der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung in der vergangenen Woche haben einen verstärkten Fokus auf vom privaten Sektor gesteuertes Wachstum und die Infrastrukturentwicklung in aufstrebenden zentralasiatischen Märkten deutlich gemacht.

Die Bank hat fast 5,9 Milliarden Euro für 208 Projekte bereitgestellt, wobei rund 60 % der Mittel an Privatunternehmen in Usbekistan gingen. Das aktuelle Engagement der Bank in dem Land übersteigt 3,2 Milliarden Euro.

Allein im Jahr 2025 überstiegen die Investitionen im Land 1 Milliarde US-Dollar (860 Millionen Euro), der Großteil davon floss an private Unternehmen.

Während solche Zahlen das Ausmaß der Aktivitäten unterstreichen, bietet die jüngste Transaktionsrunde auch Einblicke in die Art und Weise, wie die EBWE ihre Strategie vor Ort gestaltet.

Die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung spielt eine zentrale Rolle bei der Unterstützung der wirtschaftlichen Entwicklung in Ländern in Zentralasien, im Nahen Osten und in Teilen Afrikas.

„Wir konzentrieren uns sehr auf die Energiewende und Infrastruktur, die Unterstützung von KMU und Start-ups sowie auf politische Arbeit, einschließlich der Entwicklung der Kapitalmärkte, Privatisierung und Governance“, sagte Greg Guyett, erster Vizepräsident der EBWE und Leiter ihrer Client Services Group, während eines Besuchs in Taschkent letzte Woche.

Gezielte Investitionen in Handel und Industrie

Jüngste Finanzierungsvereinbarungen im Einzelhandel und in der Industrie deuten auf umfassendere Bemühungen zur Unterstützung der Inlandsnachfrage und der Produktionskapazität hin.

Ein Darlehen in Höhe von 8,6 Millionen Euro an Texnomart, einen großen Elektronikeinzelhändler, zielt auf den Ausbau digitaler Dienste und die Modernisierung des Betriebs ab.

Ein Teil der Finanzierung soll auch in die Personalentwicklung fließen. In Zusammenarbeit mit lokalen Bildungseinrichtungen werden Ausbildungsprogramme und Praktika eingeführt.

Im Industriesektor wird der Getränkehersteller UzCarlsberg mit bis zu 14 Millionen Euro neue Produktionsanlagen und Effizienzsteigerungen finanzieren.

Das Projekt umfasst eine Nachhaltigkeitskomponente mit Schwerpunkt auf Wasser- und Energieeffizienz.

Weitere 200.000 € werden über das von Deutschland finanzierte Agrifood Nexus-Programm der EBWE zur Unterstützung klimabezogener Technologien bereitgestellt.

Gespräche über Reformen und Infrastruktur

Neben Investitionen arbeitet die EBWE mit der usbekischen Regierung an Wirtschaftsreformen.

Bei den Gesprächen in Taschkent, darunter Treffen mit dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Jamshid Khodjaev, standen die Prioritäten für 2026 im Mittelpunkt. Dazu gehören die Entwicklung des Privatsektors, der Ausbau der Infrastruktur und die breitere Nutzung digitaler Lösungen.

Diskutiert werden unter anderem der Ausbau der Energienetze, die Verbesserung der Bewässerung und die Digitalisierung des Bahnsystems. Auch Vorschläge für Elektrobusse in Städten wie Nukus und Samarkand werden geprüft.

Beide Seiten prüfen zudem neue Finanzierungsmodelle für die Infrastruktur, insbesondere in Sonderwirtschaftszonen.

„Die Haushaltslage ist stark, die Kreditaufnahme relativ niedrig und die Reserven attraktiv“, sagte Guyett über das Land. Die Ratingagenturen bewerten die Entwicklung des Landes im Allgemeinen positiv.

Wachsende Rolle für die Frühphasenfinanzierung

Mit ihrem Star-Venture-Programm konzentriert sich die EBWE auch verstärkt auf Start-ups, insbesondere in den Bereichen Fintech, digitales Banking und Zahlungsverkehr.

„Wir unterstützen unternehmerische Unternehmen, insbesondere im Technologiebereich“, fuhr Guyett fort.

Dies spiegelt einen umfassenderen Wandel hin zur Unterstützung von Innovation und Unternehmertum wider, da die Digitalisierung zu einem immer wichtigeren Motor des Wirtschaftswachstums wird.

Mit Blick auf die Zukunft prüft die Bank weitere Möglichkeiten in den Bereichen erneuerbare Energien, Infrastruktur und Bergbau.

Mit mehr als 118 aktiven Projekten und einer wachsenden Pipeline wird die EBWE voraussichtlich weiterhin eine zentrale Rolle in der wirtschaftlichen Entwicklung Usbekistans spielen.

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