Neue Tankregel
100 Stationen brechen das Gesetz schon am ersten Tag
01.04.2026 – 17:14 UhrLesedauer: 2 Min.
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Seit heute gilt an Deutschlands Tankstellen ein neues Gesetz: Um 12 Uhr dürfen die Preise einmal täglich steigen, danach sind nur noch Nachlässe erlaubt. Aber daran hält sich längst nicht jeder Anbieter.
Punkt 12 Uhr war Schluss mit günstig. Wer heute nur wenige Sekunden zu spät an der Zapfsäule stand, musste mehr bezahlen. Das neue Spritpreisgesetz hat am ersten Tag seiner Gültigkeit den deutschen Tankstellenmarkt verändert. Das belegen Daten der Markttransparenzstelle und der Tank-App benzinpreise.de, die t-online exklusiv vorliegen. Erstes Fazit: Der Vormittag gehört den Sparern, der Mittag den Konzernen.
Der Tagesverlauf folgte einem eindeutigen Rhythmus. Von Mitternacht bis kurz vor Mittag purzelten die Preise. Diesel sank im Schnitt von 2,348 Euro auf 2,301 Euro und Super E10 von 2,152 Euro auf 2,099 Euro.
Doch pünktlich um 12 Uhr kehrte sich das Bild schlagartig um. Innerhalb einer Stunde registrierten die Beobachter 35.568 Preiserhöhungen. Der Effekt: ein massiver Aufschlag von durchschnittlich über 8 Cent pro Liter allein in der ersten Stunde.
Während Branchenriesen wie Aral und Shell die Preise wie koordiniert nach Ablauf der Frist erhöhten, nutzten andere Anbieter kreative Wege. Besonders auffällig agierte die Kette Mr. Wash. An Standorten wie Düsseldorf oder Frankfurt wurden außerhalb der Öffnungszeiten künstlich hohe Ankerpreise gemeldet (etwa für Diesel für 2,771 Euro). Der Zweck: Nach Ladenöffnung kann die Station eine vermeintliche Preissenkung melden, ohne jemals zum hohen Preis verkauft zu haben. Formal ist das legal.
Aber nicht alle hielten sich an die Zeitvorgabe. Rund 100 Tankstellen erhöhten ihre Preise bereits vor der erlaubten Mittagszeit. Besonders drastisch traf es Autofahrer in Parsau und Helmstedt bei der Sack-Gruppe (M1-Tankstellen). Hier schossen die Preise teils um 95 Cent in die Höhe – und sogar vor der 12-Uhr-Marke. Auch bei HEM und bei freien Tankstellen registrierten Prüfer zahlreiche Verstöße.
Der erste Tag mit der 12-Uhr-Regel zeigt: Das Gesetz funktioniert, aber es zwingt Autofahrer zum Umdenken. Wer vor Mittag tankte, sparte im Vergleich zum Nachmittag bis zu 25 Cent pro Liter.
