Viele Künstler sprechen von einem Alter Ego, einem Bühnen-Ich. Haben Sie das auch?
Ja, aber ganz unbewusst. Sobald ich gestylt und geschminkt kurz vor dem Auftritt bereitstehe, verändert sich etwas. Und wenn die Musik beginnt, bin ich sofort wieder mit den Menschen verbunden. Dann kommen Erinnerungen an frühere Konzerte zurück und ich entdecke sogar bekannte Gesichter im Publikum.
Werden Sie aufgrund Ihrer Bühnen-Persona als Mensch manchmal missverstanden?
Nur selten. Ich bin sehr bodenständig und sehe mich als Handwerkerin. Ich habe mir alles von Grund auf erarbeitet und bilde mir nichts darauf ein, auf der Bühne zu stehen. Ich glaube, die Menschen spüren das.
„Party steht momentan stark im Vordergrund, das merkt man auch an vielen Texten, das ist nicht zu übersehen.“
Ella Endlich
Im Alter von 14 Jahren hatten Sie Ihren ersten Plattenvertrag. Wie hat sich die Schlagerbranche seitdem verändert?
Natürlich enorm. So wie sich unsere Gesellschaft verändert hat, hat sich auch der Schlager verändert. Der größte Umbruch ist die Art, wie Musik heute konsumiert wird. Das beeinflusst Künstler, Songs und Produktionen gleichermaßen. Gleichzeitig ist der Schlager seinen Stars außergewöhnlich treu. Wer sich einmal in die Herzen des Publikums singt, bleibt dort oft viele Jahre. Das unterscheidet unser Genre vom Pop.
Inzwischen dominiert oft der Partyschlager. Verdrängt er den klassischen Schlager?
Party steht momentan stark im Vordergrund, das merkt man auch an vielen Texten, das ist nicht zu übersehen. Gleichzeitig beobachte ich aber eine große Sehnsucht nach Nostalgie. Alte Klassiker wie „Ich liebe das Leben“ werden wiederentdeckt, weil sie einfach zeitlos gut sind. Die Menschen suchen nach Liedern, die bleiben.
Wie schwer ist es heute geworden, sich als Künstler gegen die große Konkurrenz durchzusetzen?
In jedem Genre ist das schwierig. Fernsehen hilft nach wie vor dabei, viele Menschen zu erreichen. Gleichzeitig gehört Social Media heute einfach zum Beruf. Man muss präsent sein, darf sich aber nicht darin verlieren.
Sie sagen, Social Media gehöre heute selbstverständlich zum Beruf. Empfinden Sie den Druck, ständig präsent sein zu müssen, manchmal auch als Belastung?
Es kann belastend sein, wenn man sich voll auf seine Arbeit konzentrieren muss oder möchte. Auf der anderen Seite ist es schön, alle mitzunehmen. Ich versuche immer, das richtige Maß zu finden.
