Wegen Regenbogenfächer
DFB-Fan in Toronto zusammengeschlagen
24.06.2026 – 05:26 UhrLesedauer: 3 Min.
Ein Regenbogenfächer reichte als Anlass: Ein Berliner WM-Fan wird in Toronto nach dem deutschen Sieg krankenhausreif geschlagen. Die Polizei reagiert erschreckend.
Nach dem deutschen WM-Sieg gegen die Elfenbeinküste in Toronto hat ein Berliner Fan eine brutale Attacke erlitten – weil ein Freund einen Regenbogenfächer trug. Der 33-Jährige hat die Nacht in der Notaufnahme verbracht, die Täter blieben auf freiem Fuß.
Ein perfekter Tag – bis zum Nachtclub
Alex Alber gehört zum DFB-Fanclub „Deutsche Kartoffeln auf die 1“ und verfolgt die WM 2026 fünf Wochen lang vor Ort. Den Samstag in Toronto beschrieb er gegenüber der „Berliner Morgenpost“ als Höhepunkt: das Gemeinschaftserlebnis auf dem Weg zum Stadion, ein später Doppelpack von Stürmer Deniz Undav, anschließend ausgelassene Stimmung. „Es war ein genialer Tag“, sagte er.
Was danach folgte, gehört zu den dunkleren Seiten dieses WM-Turniers. Im Nachtclub „Paris Texas“ gerieten Alber und seine Begleitung mit drei Männern aneinander – ausgelöst durch einen Regenbogenfächer, den einer aus der Gruppe seit Reisebeginn mit sich führt. In einem Instagram-Post des Fanclubs erklärte Alber, was der Fächer für sie bedeute: „Für uns steht dieser Fächer für eine einzige Sache: Jeder darf so sein, wie er ist. Freiheit. Vielfalt. Menschen, die sie selbst leben.“ (Übersetzung aus dem Englischen) Der Träger des Fächers ist nicht homosexuell – das Zeichen gelte der Freiheit, nicht der eigenen Identität.
Dabei war die Nacht im Club nicht der erste Vorfall: Bereits tagsüber sei der Freund belästigt worden – im Stadion, von anderen Fans, auch von deutschen. „Es geht nicht um eine Nation. Es ist überall – und genau das ist der Punkt“, schrieb Alber auf Instagram. (Übersetzung aus dem Englischen)
Zwei Angriffe, kein Eingreifen
Im Club eskalierte die Lage. Eine Gruppe junger Männer – Alber zufolge Anfang zwanzig – griff die Deutschen zunächst verbal an. Alber wehrte sich zunächst verbal, dann schlug ihm einer der Männer ein Glas aus der Hand. „Ich wurde zu Boden gedrückt und wollte mich verteidigen“, sagte er der „Morgenpost“.
Alber und seinen Begleitern gelang es, den Club zu verlassen. Kurz darauf bemerkte er, dass er Fanschal und Mütze zurückgelassen hatte. In Begleitung zweier Türsteher kehrte er zurück, um seine Sachen zu holen – doch die Männer schlugen erneut zu. „Sie haben angefangen, mit Fäusten auf mich einzuschlagen. Die Türsteher haben nichts gemacht. Ich habe mich hinter die Bar gerettet“, berichtete er der „Morgenpost“. Sein Trikot überstand die Nacht nicht.
