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Home » Deutschland: Wachstum halbiert sich, da der Staat Investitionen vorantreibt
Welt

Deutschland: Wachstum halbiert sich, da der Staat Investitionen vorantreibt

MitarbeiterBy MitarbeiterJuni 10, 2026
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Deutschland: Wachstum halbiert sich, da der Staat Investitionen vorantreibt

Die Konjunkturerholung in Deutschland fällt schwächer aus als im Frühjahr erwartet. Zu diesem Ergebnis kommen Experten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Sie haben ihre Wachstumsprognose für das laufende Jahr auf 0,5 Prozent halbiert.

„Der Energiepreisschock bremst die Erholung deutlich“, sagt DIW-Chefökonomin Geraldine Dany-Knedlik. Sie betont jedoch, dass es sich nicht um eine Wiederholung der Situation von 2022/23 handele. In diesem Jahr startete Russland seine groß angelegte Invasion in der Ukraine. „Der Schock ist geringer, die Energieversorgung ist weiterhin gesichert und Deutschland ist heute weniger abhängig von Importen fossiler Brennstoffe als nach Beginn des Krieges in der Ukraine“, erklärt Dany-Knedlik.

„Der einzige Grund, warum die Wirtschaft in diesem Jahr überhaupt wächst, sind die Staatsausgaben“, macht der Chefökonom deutlich. Die Nachfrage der privaten Haushalte schwächt sich ab und die Unternehmen sind zuletzt vorsichtiger geworden. Stattdessen stützen steigende Staatsausgaben, beispielsweise durch höhere Verteidigungsausgaben und den Sonderfonds, das Wirtschaftswachstum.

Die Regierung hatte ihre Wachstumsprognose bereits in ihren Frühjahrsprognosen nach unten korrigiert. War man zunächst von einem Wachstum von 1,0 Prozent ausgegangen, rechnet man Ende April nur noch mit 0,5 Prozent. Das deckt sich mit der Schätzung des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW). Allerdings weist die Bundesregierung ausdrücklich darauf hin, dass der private Konsum eine tragende Säule der Wirtschaft bleibt. Öffentliche Investitionen geben derweil wichtige Wachstumsimpulse.

Stabilität durch Verteidigungsausgaben

Steigende Verteidigungsausgaben und mit zeitlicher Verzögerung Mittel aus dem Sonderhaushalt für Infrastruktur und Klimaneutralität stützen die deutsche Wirtschaft und sorgen für ein moderates Wachstum in beiden Prognosejahren, argumentiert das DIW in einer aktuellen Pressemitteilung.

„Allerdings können diese fiskalpolitischen Impulse den konjunkturellen Abschwung nicht vollständig ausgleichen“, fügt Dany-Knedlik hinzu. „Entscheidend ist, dass die Mittel aus den Sondervermögen zügig und seriös über die bestehenden Budgets ausgezahlt werden und nicht nur ohnehin geplante Investitionen finanziert werden.“

Weitere Probleme der deutschen Wirtschaft bezeichnet das DIW als „strukturell“. Die Industrie ist nicht mehr so ​​wettbewerbsintensiv wie früher, insbesondere der Automobilsektor steht unter Druck. Auch hohe Produktionskosten und der demografische Wandel belasten die Wettbewerbsfähigkeit. Nach Angaben des Instituts begrenzen diese Faktoren das Wachstumspotenzial und erschweren eine rasche Konjunkturerholung – unabhängig von der aktuellen geopolitischen Lage.

Die USA als Energieproduzent sind Gewinner, die Eurozone der Verlierer

International prognostiziert das DIW für die USA als großen Energieproduzenten weiterhin relativ solide Wachstumsraten von knapp über 2 Prozent, während die Aussichten für den Euroraum deutlich schwächer ausfallen.

Die USA sind inzwischen zu einem der weltweit größten Exporteure von Flüssigerdgas (LNG) geworden und profitieren teilweise von höheren Gaspreisen, während Europa seine Energie importieren muss. Nachdem die russischen Gaslieferungen unterbrochen waren, war die erste Anlaufstelle für neue Lieferungen das Ausland.

Europa produziert selbst nicht genügend Energie und ist daher auf Importe angewiesen. Damit verbundene Preisschocks belasten die Wirtschaft und schwächen die Kaufkraft. Das DIW erwartet keinen Angebotsschock und argumentiert, dass die Versorgungssicherheit bei Öl und Gas insbesondere dank einer diversifizierten Aufstellung nicht gefährdet sei.

Doch besonders energieintensive Branchen wie Chemie, Stahl und Papier leiden unter steigenden Strom- und Gaspreisen. Nach Annahmen des DIW bedeutet dies, dass Deutschland stärker betroffen ist als andere europäische Länder.

Eine expansive Fiskalpolitik dämpft die Inflation, absorbiert sie jedoch nicht vollständig

Da der Schock das Wachstum dämpft und gleichzeitig die Preise in die Höhe treibt, beschreibt Dany-Knedlik die Situation als „unangenehme Situation“. Bisher konnte insbesondere die expansive Finanzpolitik die höhere Inflation abfedern. Aber es liefert nicht das gewünschte Wachstum.

Verbraucher spüren auch die Auswirkungen höherer Energiekosten in ihrem täglichen Leben, für Heizung, Strom und Verkehr. Damit bleibt weniger Geld für den privaten Konsum übrig, wie das ifo-Institut in seiner Gemeinschaftsprognose für das Frühjahr 2026 feststellt. Es bleibt unklar, ob die Europäische Zentralbank am Donnerstag mit einer Zinserhöhung reagieren wird.

Dies stellt ein Problem dar, da die Regierung den Konsum derzeit als einen der wichtigsten Wachstumstreiber der deutschen Wirtschaft ansieht. Das DIW sieht das kritischer und argumentiert, dass das Wachstum ausschließlich auf den öffentlichen Sektor zurückzuführen sei.

Auch strukturelle Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt spielen eine Rolle. Im verarbeitenden Gewerbe und im Einzelhandel werden Arbeitsplätze abgebaut, während die Beschäftigung im öffentlichen Sektor stetig zunimmt. Der Strukturwandel hin zu Dienstleistungen ist offensichtlich, die Gesamtzahl der Erwerbstätigen ist jedoch rückläufig.

Arbeitgeber, Gewerkschaften und die Spitzen der Regierungskoalition treffen sich heute im Kanzleramt, um über Reformen zu beraten. Die Sozialpartner wurden im Vorfeld unter anderem gebeten, ihre Ansichten zu den wesentlichen Faktoren für die anhaltende strukturelle Wachstumsschwäche Deutschlands zu erläutern.

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