Frau Braune, Sie haben kürzlich eine Studie zum Wirtschaftsstandort Deutschland aus Sicht ausländischer Unternehmen veröffentlicht. Was sind die wichtigsten Erkenntnisse?
Zunächst einmal ist es erfreulich, dass Deutschland weiterhin als starker, stabiler und innovativer Wirtschaftsstandort gilt. Besonders positiv wurden die Infrastruktur, die Produktionsbedingungen, unser Wissenschaftssektor und die gut ausgebildeten Arbeitskräfte in Deutschland bewertet. Dennoch trüben die hohen Kosten und die teilweise komplexe Regulierung und Bürokratie das Image des Wirtschaftsstandorts Deutschland spürbar.
Was sind die Stärken Deutschlands im Vergleich zu anderen Ländern?
Deutschland verfügt über gut ausgebildete Arbeitskräfte mit hervorragenden Qualifikationen und einen hochinnovativen Forschungssektor, der eng mit der Wirtschaft verknüpft ist, was sich in der Vielzahl der Patentanmeldungen widerspiegelt. Neben der politischen und rechtlichen Stabilität und guten Infrastruktur Deutschlands spielen sicherlich auch seine Größe als attraktiver Markt und seine zentrale Lage in Europa eine wichtige Rolle, die viele Unternehmen nutzen, um weitere Märkte innerhalb der EU zu erschließen.
Warum ist jetzt ein besonders guter Zeitpunkt für Unternehmen, nach Deutschland zu kommen?
Deutschland ist gerade jetzt besonders attraktiv, weil die Bundesregierung über ihre Wachstumsförderer steuerliche Investitionsanreize bietet, im Rahmen ihrer Hightech-Agenda große Industrie- und Technologieprogramme vorantreibt und darüber hinaus über neue Handelsöffnungen wie die Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur sowie mit Indien Nachfrage und Marktzugänge schafft. Diese Kombination aus finanziellen Anreizen, einer klaren Industriepolitik und einer durch geopolitische Faktoren generierten Nachfrage macht Investitionen in Deutschland derzeit besonders günstig.
Welchen Herausforderungen muss sich Deutschland stellen, um attraktiv zu bleiben?
Obwohl wir eine Reihe von Vorteilen bieten, die uns weltweit einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, ist es für uns dennoch wichtig, alles dafür zu tun, dass wir auch in Zukunft für ausländische Unternehmen attraktiv bleiben. Dazu müssen die von der Bundesregierung eingeleiteten Reformen zügig und konsequent umgesetzt werden – nicht nur im Hinblick auf die Digitalisierung, sondern auch im Hinblick auf Bürokratieabbau und wettbewerbsfähige Kostenstrukturen hierzulande.










