Die Übernahme des Goldes in das Staatseigentum wurde Monate später förmlich zelebriert: Die Vollzugsbehörde erstellte ein Video, wie das Gold aus der Asservatenkammer offiziell den Eigentümer wechselte. Das Vermögen des Mannes ist jetzt vollständig in den Besitz des russischen Staates übergegangen. Das Gold hat aktuell einen Wert von 1,6 Millionen Euro.

Rätselhaft ist, wofür der Mann so viel Geld in seinem Wohnmobil mit nach Russland nehmen wollte. Er sprach nach russischen Angaben kein Russisch. Dennoch könnte er vorgehabt haben, sich in Russland ein neues Leben aufzubauen. Russland hat seine Bemühungen um Auswanderer verstärkt. Die aus Deutschland stammende Putin-Propagandistin Alina Lipp wirkt gemeinsam mit der Abgeordneten Maria Butina an einem Programm namens „Welcome to Russia“ mit, wie t-online ausführlich öffentlich machte.

Wenn Auswandern wirklich das Ziel des heute 60-Jährigen gewesen sein sollte, dann hätte er mit der Entdeckung des Goldes bereits nach wenigen Metern auf russischem Boden einen heftigen Rückschlag erlitten. Russische Stellen zeigen keinerlei Interesse, mehr über Motive und Schicksal des Mannes preiszugeben. Die unterschiedlichen Behörden reagierten auf Anfragen von t-online nicht. Es ist auch unklar, ob und wann er nach Deutschland zurückgekehrt ist. Dazu machen auch deutsche Stellen keine Angaben.

t-online konnte in einschlägigen Gruppen auf Telegram, in denen sich Russlandauswanderer austauschen und Tipps geben, keine Diskussionen über den Fall finden. Dort wird hingegen etwa darüber berichtet, wenn der deutsche Zoll an einem Flughafen größere Eurobeträge bei Menschen beschlagnahmt, die via Türkei nach Russland reisen. Entsprechend wird empfohlen, Russland als Reiseziel zu verschleiern. Dabei geht es aber meist um Bargeld in Euro-Währung, und fast immer nur um die scharfen Kontrollen bei der Ausfuhr aus der EU – die Einreise nach Russland wird dort zumindest bei Bargeld nicht als Problem dargestellt. Bei Gold warnen sich Nutzer, nicht zu viel Schmuck mitzunehmen.

Das estnische Steuer- und Zollamt berichtet von Bußgeld- und sogar Strafverfahren, weil Menschen bei der Ausreise mit Euroscheinen angetroffen werden. Toomas Huik, Leiter des Zollkontrollpunkts Luhamaa, sagte t-online: „Wir stellen vorsätzliche Verstöße fest, aber die meisten Verstöße beruhen auf mangelndem Wissen der Reisenden.“ Dollar-Noten dürfen ausgeführt werden und müssen auch bis 10.000 Dollar in Russland nicht deklariert werden, mehr als 300 Euro Bargeld können dagegen zu Problemen führen. Bei Barsummen über 100.000 Dollar verlangen russische Gesetze Herkunftsnachweise.

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