Versprechen von günstigen Tickets

Früherer Ferrari-Chef will Deutsche Bahn angreifen


04.05.2026 – 08:54 UhrLesedauer: 2 Min.

Ein „roter Pfeil“ im Bahnhof von Venedig: Ab dem übernächsten Jahr soll die Deutsche Bahn im Fernzugsegment Konkurrenz aus Italien bekommen. (Quelle: IMAGO/Michael Nguyen)

Die Deutsche Bahn bekommt wohl Konkurrenz aus Italien. Der ehemalige Chef des Sportwagenherstellers Ferrari verspricht mehr Wettbewerb und günstige Tickets.

Der italienische Hochgeschwindigkeitszugbetreiber Italo will ab April 2028 in den deutschen Fernverkehr einsteigen und damit direkte Konkurrenz zur Deutschen Bahn schaffen. Das kündigte der Italo-CEO und ehemalige Chef des Sportwagenbauers Ferrari Luca Cordero di Montezemolo in einem Interview der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ („FAZ“) an. Geplant sei demnach, mit neuen Zügen auf stark nachgefragten Strecken ein alternatives Angebot zum ICE aufzubauen.

Zum Start sollen 30 Hochgeschwindigkeitszüge des Typs Velaro von Siemens eingesetzt werden, die auch die technische Grundlage für viele ICE-Züge bilden. Insgesamt sind laut Montezemalo 56 tägliche Verbindungen vorgesehen. Zwischen München, Köln und Dortmund sollen die Züge im Stundentakt fahren, während Verbindungen zwischen München, Berlin und Hamburg im Zweistundentakt geplant sind. Damit zielt Italo auf zentrale Achsen des deutschen Fernverkehrs.

Das Investitionsvolumen beziffert das Unternehmen auf rund 3,6 Milliarden Euro. Darin enthalten sei auch ein langfristiger Wartungsvertrag mit Siemens, der über mehrere Jahrzehnte laufen soll. Der Betrieb in Deutschland soll über die bereits gegründete Tochter Atrium SE organisiert werden. Vorgesehen sei ein eigenständiges Unternehmen mit deutscher Führung.

Mit dem Projekt verbindet Italo auch wirtschaftliche Erwartungen. Nach Angaben des Unternehmens könnten rund 2.500 Arbeitsplätze in Service und Betrieb entstehen. Außerdem sollen mehr als 5.000 Industriearbeitsplätze hinzukommen, die die Produktion der Züge übernehmen, vor allem in Nordrhein-Westfalen. Erste Einstellungen könnten bereits im Juni 2026 beginnen, sofern die Planungen wie vorgesehen umgesetzt werden.

Montezemolo verweist im Gespräch mit der „FAZ“ auf Erfahrungen aus Italien, wo Italo bereits im Wettbewerb mit dem staatlichen Anbieter Trenitalia steht. Dort seien die durchschnittlichen Ticketpreise nach dem Markteintritt des Unternehmens um etwa 40 Prozent gesunken. Auch für Deutschland erwartet er ähnliche Effekte: Mehr Wettbewerb könne Preise senken und zugleich die Qualität des Angebots verbessern.

Ob der Einstieg wie geplant gelingt, hängt jedoch von regulatorischen Voraussetzungen ab. Entscheidend ist aus Sicht des Unternehmens der langfristige Zugang zu Trassen im deutschen Schienennetz. Italo fordert entsprechende Vereinbarungen mit Laufzeiten von bis zu 15 Jahren. Diese sollen möglichst schnell abgeschlossen werden, denn das Unternehmen benötige Planungssicherheit für die kommenden Jahre.

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